20. Januar 2021 / Bildung & Wissenschaft

Forscherteam entwickelt täglichen Riech- und Schmeck-Check

Online-Studie untersucht den Geruchs- und Geschmackssinn im Zusammenhang mit Covid-19

Riechtest

Foto (WWU - Arbeitsgruppe für Allgemeine Psychologie): Studienleiter Prof. Dr. Niko Busch zeigt, wie der Riech- und Schmeck-Check funktioniert: Die Teilnehmer sollen jeden Morgen mithilfe ihres üblichen Getränks die Intensität der Geruchs- und Geschmackswahrnehmung einschätzen. 


Menschen, die am Coronavirus (Covid-19) erkranken, verlieren während ihrer Infektion oft den Geruchs- und Geschmackssinn. Ein Forscherteam der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster, des Forschungszentrums Jülich und des National Institute for Research in Computer Science and Control – Saclay (INRIA) in Frankreich möchte herausfinden, ob Covid-19 im Vergleich zu anderen Erkrankungen häufiger mit Riech- und Schmeck-Störungen einhergeht und wie sich diese während des Krankheitsverlaufs verändern. Dafür entwickelten die Wissenschaftler einen Riech- und Schmeck-Check.

„Mit unserem Test können die Nutzer in nur einer Minute ihre Riech- und Schmeck-Fähigkeit kontrollieren. Dadurch kann der plötzliche Verlust von Geruch und Geschmack einfach und zuverlässig beurteilt werden“, erklärt Prof. Dr. Niko Busch, Leiter der Studie und der Arbeitsgruppe für Allgemeine Psychologie an der WWU. Interessierte können sich unter https://www.riech-check.de/ für den Online-Test anmelden. Einmal am Tag – üblicherweise am Morgen – riechen und schmecken die Studienteilnehmer an ihrem üblichen Getränk und beurteilen die Intensität der Geruchs- und Geschmackswahrnehmung mit einem Schieberegler auf einer Balkenskala. Wenn diese Messung mit dem gleichen Getränk mehrmals durchgeführt wird, zeigt der Test, ob und wie sich die Wahrnehmung im Laufe der Zeit verändert. „Wichtig ist, dass der Riech- und Schmeck-Check keine ärztliche Untersuchung ersetzt. Aus den Ergebnissen kann auch keine Diagnose abgeleitet werden“, betont Niko Busch, der zusammen mit Dr. Kathrin Ohla vom Forschungszentrum Jülich und Dr. Richard Höchenberger vom INRIA den Test erarbeitet hat.

Die Daten liefern den Forschern unter anderem Erkenntnisse darüber, in welchem Maße sich Geruch und Geschmack täglich verändern – zum einen bei Gesunden und zum anderen bei Patienten, die am Coronavirus erkrankt sind. Neben dem wissenschaftlichen Interesse schärft die Beschäftigung mit dem Test das Bewusstsein für das Riechen und Schmecken. „Das ist nützlich, da viele Menschen diese Sinne im Alltag nicht so sehr beachten und daher Veränderungen nicht unmittelbar bemerken. Für bereits von Riech- oder Schmeck-Störungen Betroffene bietet der Test außerdem eine Möglichkeit, die Sinne zu trainieren“, erläutert Niko Busch. „Solche Trainings haben sich bei anderen Erkrankungen als nützlich erwiesen. Ob das bei Covid-19 auch der Fall ist, müssen wir aber abwarten.“

Die Studie ist Teil des Global Consortium for Chemosensory Research – einem internationalen Zusammenschluss von mehr als 600 Wissenschaftlern, Ärzten und Patientenvertretern aus 64 Ländern, die Geruch und Geschmack im Zusammenhang mit Covid-19 untersuchen. Der Riech- und Schmeck-Check ist bereits in zwölf Sprachen übersetzt.

 

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