22. März 2019 / Kultur

24h - Das Theaterereignis erlebt eine Neuauflage

SpinOffs im Pumpenhaus, im Kammertheater Der kleine Bühnenboden und im Joducus

24h

Münster ist eine Stadt mit einer reichen und vielfältigen Theaterlandschaft – feste Spielstätten und eine rege freie Szene beleben das kulturelle Angebot. Mit 24 STUNDEN MÜNSTER wurde der Versuch unternommen, künstlerische Brücken zu schlagen, neue Wege zu gehen und erstmals in der Theatergeschichte Münsters KünstlerInnen aller Häuser und der Freien Szene in einem Theaterevent zu vereinen.

Carola von Seckendorff und Cornelia Kupferschmid haben sichtbar und erlebbar gemacht, was diese Stadt im Innersten zusammen hält oder auch spaltet: von der der städtischen Utopie der vermeintlichen Inselseligkeit Münsters bis zu Lebensbereichen, in denen es lange nicht so bequem und nett zugeht, wie es nach außen wirkt. Bestehende Kluften und die Diversitäten unserer Stadt wurden aufgespürt und auf die Bühnen dieser Stadt gehoben.

In 24 STUNDEN MÜNSTER ging es um die Menschen dieser Stadt. Denn die Menschen sind das, was eine Stadt im Eigentlichen und Innersten auszeichnet. Auf diese Weise entstand ein 24-stündiges Kaleidoskop, in dem eine neue, überraschende, verstörende, vielleicht nie wahrgenommene Wirklichkeit Münsters sichtbar wurde, ein Theatererlebnis an den Schnittstellen von Performance, menschlicher Installation, Recherche – und Dokumentationsprojekt sowie Sprechtheater.

Entstanden ist ein Label- und Institutionsunabhängiges Stadtensemble, welches über dieses Projekt hinaus schon an neuen Unternehmungen spinnt. Und nun gibt es die Gelegenheit einzelne Projekte wieder oder neu zu erleben, unabhängig von der ursprünglichen Zeit.

Ein Projekt des Labels FreiFrau
Künstlerische Leitung: Carola v. Seckendorff
Produktionsleitung und künstlerische Mitarbeit: Cornelia Kupferschmid
Produktionsassistenz: Janine Ahmann
Technische Leitung: Johannes Sundrup/ Tom Halbig
Design und Medien: Hanno Endres
Ausstattung: Sophia Debus
Aurale Stadtskulptur: Hirzel Hirzelnsen
Film: Jens Krause
Fotografie: Franz Kammer, Sophia Demming, Burkhard Stegl, Carola v. Seckendorff, Margarita Daitche
Kooperationspartner: Theater Münster, Wolfgang Borchert Theater, Kammertheater Der kleine Bühnenboden, Boulevard Theater, Theater im Pumpenhaus, Studiobühne der WWU, Theaterpädagogisches Zentrum, Münster School of Design
Förderer: Kulturamt der Stadt Münster, Sparkassenstiftung der Sparkasse Münsterland Ost, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Provinzial

Weinstube Joducus
Vorbestellungen unter: 0171 450 99 50
Sa, 6.4. um 20 Uhr „Bin höhenentspannt“
Kammertheater Der kleine Bühnenboden
So, 07.04. um 18 Uhr Die Ordner (Der Ordner/GesternIchHeute)
So, 14.04. um 18 Uhr An allen anderen Tagen nicht (mit anschließender Diskussion mit einem Vertreter des Johanneshospiz und Angehörigen)

OsterSpinOffs im Pumpenhaus
Mi, 17.4. um 20 Uhr Der Ordner, 21 Uhr Marc Pierschel - Die Zukunft beginnt auf deinem Teller
Do, 18.4. um 20 Uhr Maseratifotze und Eine Prostituierte in Münster, ca. 21 Uhr „Bin höhenentspannt“
Sa, 20.4. um 20 Uhr An allen anderen Tagen nicht, ca. 21 Uhr Livin´ in Mocambo
So, 21.4. um 21 Uhr Felix. Dann bin ich glücklich
Mo, 22.4. um 20 Uhr P R E M I E R E 24 STUNDEN MÜNSTER - Der Film

Kammertheater Der kleine Bühnenboden
So, 5.5. um 18 Uhr Die Ordner (Der Ordner/GesternIchHeute)
Sa, 24.5. um 20 Uhr An allen anderen Tagen nicht (mit anschließender Diskussion mit einem Vertreter des Johanneshospiz und Angehörigen)
Fr, 14.6. um 20 Uhr An allen anderen Tagen nicht (mit anschließender Diskussion mit einem Vertreter des Johanneshospiz und Angehörigen)
So, 16.6. um 18 Uhr Die Ordner (Der Ordner/GesternIchHeute)

Weinstube Joducus
Vorbestellungen unter: 0171 450 99 50
Sa, 1.6. um 20 Uhr Immer nach Hause
Sa, 15.6. um 20 Uhr Der Ordner (mit anschließender Diskussion mit einem Vertreter der Villa ten Hempel)

Der Ordner
Walter Pohl war Opa.
Walter Pohl war ein Liebhaber von Wilhelm Busch.
Walter Pohl hat für seine Enkel mit den Ohren gewackelt.
Walter Pohl war SS-Obersturmführer.
Walter Pohl war Kommandoführer des Einsatzkommando 6 in Schachty.
Walter Pohl wurde wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.
Walter Pohl wurde freigesprochen.
Seine Enkelin Stephanie bekommt von ihrer Großmutter einen Ordner mit Prozessunterlagen ihres Großvaters in die Hand mit den Worten: "Mach damit nach meinem Tod, was Du willst“. Bei MenschMünsterMensch hier im kleinen Bühnenboden erzählte sie erstmals ihre Geschichte und nun trifft sie wiederum hier auf den sehr lebendigen „Geist“ ihres Großvaters und konfrontiert ihn mit nie gestellten Fragen. Eine vermeintlich private Geschichte wird zur Allgemeinen. Wir alle sind Teil dieser Geschichte, ob wir wollen oder nicht. Und es ist alles andere als ein „Vogelschiss“.
Regie/Textfassung auf Grundlage des Originaldokuments: Carola v. Seckendorff
Spiel: Hannes Demming, Cornelia Kupferschmid, Stephanie Borgert

Marc Pierschel – Die Zukunft beginnt auf deinem Teller
Eine Lecker - Performance
Hier geht es um den Filmemacher und Autor Marc Pierschel. In seiner Arbeit setzt er sich mit Theorie und Praxis der Tierrechtsbewegung auseinander. Dabei interessiert er sich gleichermaßen für Subkultur, Geschichte und wissenschaftliche Diskurse. Sein neuster Film „The End of Meat“ ist eine spannende Zukunftsvision, in der sich das Verhältnis von Tier und Mensch grundsätzlich gewandelt hat.
Spiel: Benedikt Thönes
Regie: Julia Dina Heße, Angelika Schlaghecken

Eine Prostituierte in Münster trifft auf Maseratifotze
Holly ist eine aufregende Persönlichkeit, Verführerin, Begleiterin, Gesellschaftsdame, Dienstleisterin. Ihre Wohnung ist ein Zuhause, Arbeitsplatz, Logistikzentrum, Traumfabrik, Lernwerkstatt, Anmachstudio, Schlafplatz, Ruhepol. Die Schnittmenge liegt im Auge des Betrachters. Irgendwo in Münster.
Regie: Ulrich Bärenfänger, Marieke Fritzen
Schauspiel: Marieke Fritzen

Maseratifotze
Eine echte Lady, verwöhnt, reich, privilegiert und unabhängig, erklärt sich einem Publikum – notwendigerweise.
Die allgemeinen Eindrücke Ihrer Oberflächlichkeit und Arroganz scheinen einen geschlossenen Kreislauf zu bilden, der ein Urteil über sie erlaubt. Ohne weitere Überprüfung. Ein Statement, eine Geisteshaltung, derer die sich das anmaßen. Im Verlauf der Geschichte erklärt sich aber ein völlig anderes Bild, das einer feinsinnigen Mäzenin der Kunst, einer Frau die die Gegenüberstellung der Weltanschauungen fordert und delikat sezieren kann.
Regie & Spiel: Regine Andratschke

„Bin höhenentspannt“
Christiane Hagedorn nähert sich spielerisch einer bemerkenswerten Münsteraner Persönlichkeit an: Martje Saljé, erste Türmerin von Münster, Lehrerin, Historikerin, Musikerin, Sängerin, Songschreiberin und Bloggerin mit Charme und Witz, deren Alltag hoch oben über den Dächern von Münster genau so viel Neugier wecken dürfte wie die Jahre, als sie mit ihrer Gitarre (und 8 weiteren Instrumenten!) die ganze Welt bereiste …
Regie: Carolin Wirth
Spiel: Christiane Hagedorn

An allen anderen Tagen nicht
Ein Lebensstück
Der Tod, bzw. das Sterben - wird stetig angesehen als die größte menschliche Niederlage oder auch der größte anzunehmende Feind, darum ist er weitgehend ein Tabu im Alltag und doch immer präsent, da der Tod nun mal ein fester Bestandteil des Lebens ist und nicht dessen Scheitern. Im Gegenteil: könnten wir unser Leben mehr genießen, könnten wir auch dem Tod angstfrei begegnen. Hinter der Todesangst verbirgt sich eigentlich eine Lebensangst.
In Münster gibt es zwei Hospize das Johannes Hospiz im Herzen der Stadt und das lebensHAUS im grünen Handorf. Dort wird sterbenden Menschen fern von jeder Apparatemedizin die Möglichkeit geboten ihr Leben, im wahrsten Sinne des Wortes, auszukosten und zu leben bis zuletzt. Denn auch das Sterben ist ein Lebensabschnitt.
Für „An allen anderen Tagen nicht“ hat Carola v. Seckendorff mit zwei Frauen sprechen dürfen: Helga, 78 im Johannes Hospiz und Bianca, 45, im lebensHAUS. Das Audiomaterial, die Stimmen dieser Frauen sind die Grundlage dieser Theaterarbeit, eingebunden in einen Theaterrahmen, inspiriert von Becketts „Das letzte Band“ und das überaus lebendige Spiel von Gabriele Brüning.
Regie: Carola v. Seckendorff
Spiel: Gabriele Brüning
Stimmen: Helga Körner, Bianca Wenning

Livin in Mocambo
Wenn in den anderen Bars die Lichter ausgehen, geht‘s in der Mocambo Bar erst richtig los! Hier, an diesem letzten Zufluchtsort, treffen sich die Sehnsüchtigen der Nacht. Da ist Max, der bald heiraten wird, aber dennoch allen Grund hat zu klagen, da ist Ulrike, die auf „Frischfleisch“ aus ist, aber verdächtig unrasiert ist … All die kleinen und großen Katastrophen des Alltags kommen hier durch Freund Allohol verstärkt auf die Theke. Bühne frei für das Drama des Lebens! Wie heißt es doch: „Who will survive and what will be left of them?!“ Bis es auch in der Mocambo Bar heißt: letzte Runde! Und der letzte macht die Tür auf!
Regie: Tilmann Rademacher
Spiel: Ulrich Bärenfänger, Shaun Fitzpatrick, Adeline Meyer

Felix. Dann bin ich glücklich
inspiriert vom Leben des Münsteraner Felix Adrian Schäper
Eine Stunde über (Trans)Identität, Wahrnehmung und das Spielen von Rollen. Vom “gegen Mauern laufen” und dem Wunsch “ernst genommen zu werden”. Spiegelt erlebte Eindrücke, Beobachtungen und Erlebnisse wider. Theatralische Miniaturen, Szenische Skizzen, ausufernde Kurzperformances. Radikal, konzentriert und unterhaltsam.
Spiel: Felix Adrian Schäper, Stefan Nászay
Regie: Stefan Nászay

PREMIERE! „24 STUNDEN MÜNSTER - Der Film“
Jens Krause war in allen 5 Münsteraner Theaterhäusern und hat alle 24-Stunden- Projekte mit der Kamera filmisch eingefangen. Hier nun die Premiere eines vielfältig filmischen Eindrucks, eine Compilation der absoluten Highlights jedes Projektes. Die Essenz des ganzen 24 Stunden-Events.

GesternIchHeute
Ich bin ich. Bin ich verknüpft mit Ereignissen der letzten Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte? Und was kann diese Vergangenheit uns im Heute oder Morgen aufzeigen? Wie stehe ich dazu – oder bin ich mit meiner Haltung sogar Teil des Problems? Wir stöbern in Ordnern auf der Suche nach uns und unseren Anteilen in geschichtsträchtigen Ereignissen im Alltag, in Mord- und Hexenprozessen, in Übernatürlichem, Beängstigendem und Verstörendem aus Münster.
GesternIchHeute ist eine Reise durch die Zeit – vielleicht bis zu uns selbst.
Regie/Textfassung: Jan Holtappels/Christian Bo Salle
Spiel: Christian Bo Salle

Immer nach Hause
„Wenn wir etwas über einen Menschen wissen wollen, fragen wir „Was ist seine Geschichte? – seine wirkliche, innerste Geschichte?“- denn jeder von uns ist eine Biographie, eine Geschichte.“ Oliver Sacks, Neurologe
Die neunundsiebzigjährige gebürtige Dorstenerin Cordula Kahrmann erzählt uns ihre Geschichte. „Nur das erste Fünftel meines Lebens hat nicht in Münster stattgefunden. Das ist nicht viel, aber dennoch, wie bei vielen Menschen, eine Zeit, die im größeren Rest des Lebens ihre Spuren hinterlässt. Münster war die Stadt, in der mein Vater als Arzt die Arbeit fand, die für ihn und seine vielen Patienten wie ein Segen war. Ich aber war inzwischen so weit, wenigstens rhetorisch, nicht mehr nur das Objekt elterlicher Raum- und Lebensentscheidungen sein zu wollen. Ich hielt meinen Eltern einen Vortrag. Mit 14 argumentierte ich: Es wird schwarz gewählt, hat nur diese Pfütze, den Aasee und es wird nur verwaltet. Mein definitives Fazit: Wir ziehen in ein totes Nest im Landesinneren!
Nach Münster wollte ich nicht, wurde trotz meiner unwiderlegbaren Gründe nicht gefragt und bin September 1954 hier angekommen – um auf keinen Fall zu bleiben – und bin immer noch hier.“
Cordula geht bei einem Glas Rosé auf Spurensuche, indem sie ihre Erinnerungen aus der Zeit vor Münster mit den Erfahrungen ihrer Münster-Zeit erzählend in einen Zusammenhang bringt. Die Schauspielerin Beate Reker füllt und bereichert Cordulas Geschichte mit poetischen Texten.
Regie: Andrea Noëmi Spicher
Spiel: Beate Reker, Cordula Kahrmann

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