8. Oktober 2022 / Bildung & Wissenschaft

Ökologe untersucht das Zusammenspiel von Wurzelraumprozessen und Weltklima

Peter Müller richtet Emmy-Noether-Gruppe am Institut für Landschaftsökologie ein

Wurzelraumprozesse

Foto (Peter Müller): Peter Müller untersuchte unter anderem die Kirkpatrick Marsh, eine Brackwassermarsch im US-Bundesstaat Maryland. An der WWU beschäftigt er sich vor allem mit Mooren


Der Ökosystemforscher Dr. Peter Müller, zuletzt wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Biologie der Universität Hamburg und Mitglied im Exzellenzcluster CLICCS (Climate, Climatic Change, and Society), wechselte mit seiner Aufnahme ins Emmy-Noether-Programm zum 1. Oktober an die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster. Die Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Höhe von etwa 1,6 Millionen Euro über sechs Jahre ermöglicht Peter Müller die Errichtung einer eigenen Forschungsgruppe mit dem Namen „Rhizosphären-Biogeochemie“ am Institut für Landschaftsökologie der WWU.

Peter Müller forscht seit Jahren als Ökologe dazu, wie Ökosysteme Kohlenstoffdioxid (CO) aus der Atmosphäre aufnehmen und dieses in ihren Böden speichern. Dieser Prozess der Kohlenstofffestlegung kontrolliert die CO₂-Konzentration der Atmosphäre und damit das globale Klima. Schwerpunktmäßig untersucht Peter Müller die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und den Mikroorganismen des Bodens. Bislang nahm er Küstenfeuchtgebiete wie Salzmarschen und Mangroven in den Blick, da diese sogenannten Blue-Carbon-Ökosysteme zu den leistungsstärksten natürlichen CO-Senken der Erde zählen. Mit seiner nun gegründeten Gruppe „Rhizosphären-Biogeochemie“ – bei der Rhizosphäre handelt es sich um den Wurzelraum – erweitert Peter Müller seine Forschung auf weitere kohlenstoffreiche Ökosystemtypen, etwa das Moor.

„Ich freue mich sehr, meinen eigenen Forschungsschwerpunkt mit einer eigenständigen Gruppe an der Universität Münster zu etablieren und von der großen Expertise am Institut für Landschaftsökologie hinsichtlich Moorökologie und -biogeochemie sowie der dort vorzufindenden, deutschlandweit nahezu einzigartigen Laborinfrastruktur zu profitieren“, erklärt Peter Müller. Ferner plane er unter anderem, eng mit der Arbeitsgruppe Ökohydrologie und Stoffkreisläufe zusammenzuarbeiten, die sein Forschungsvorhaben bereits in der Frühphase der Antragsvorbereitung unterstützt habe. Zu seinen Forschungszielen gehört, die riesigen Kohlenstoffspeicher von Mooren und Feuchtgebieten zu untersuchen und zu ermitteln, ob und unter welchen Bedingungen der Klimawandel diese enormen Mengen an festgesetztem CO₂ wieder freisetzen kann. Eine zentrale Hypothese für das Vorhaben ist, dass Wurzelraumprozesse, also die Interaktionen zwischen Pflanzen und Mikroorganismen, maßgeblich das CO₂-Gleichgewicht zwischen Böden und Atmosphäre bestimmen – und somit unser Klima. „Ich empfinde die Aufnahme in das Emmy-Noether-Programm und die Möglichkeit, sechs Jahre unabhängig Grundlagenforschung betreiben zu können, als große Ehre“, betont Peter Müller. Das Emmy-Noether-Programm hat zum Ziel, herausragenden Nachwuchsforscherinnen und -forschern wissenschaftliche Unabhängigkeit zu bieten und sie für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren.


Zur Person:
Peter Müller, geboren 1987, promovierte 2017 am Fachbereich Biologie der Universität Hamburg mit „summa cum laude“. Es folgten Postdoc-Stellen in der Pflanzenökologie in Hamburg sowie in der Aquatischen Biologie im dänischen Aarhus. Weitere Forschungsaufenthalte verbrachte Peter Müller am Helmholtz-Zentrum Potsdam und am Smithsonian Environmental Research Center (Maryland, USA). Von 2021 bis 2022 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Exzellenzcluster CLICCS (Climate, Climatic Change, and Society) der Universität Hamburg und Juniorarbeitsgruppenleiter der „Blue Carbon Science“, gefördert durch den Stifterverband, als Teil der Abteilung Angewandte Pflanzenökologie.

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