5. April 2024 / Allgemein

Zahl der Übergriffe auf Mitarbeitende der Stadt Münster steigt auf Rekordhoch

114 Gewaltvorfälle gegen städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jahr 2023 / Rettungskräfte melden deutlich mehr Angriffe

Rettungswagen
Veröffentlicht am 5. April 2024 um 14:42 Uhr

Foto (Stadt Münster): Die Zahl der Übergriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt ist rasant gestiegen. Zum Schutz der Beschäftigten entwickelt die Stadt Präventions- und Nachsorgeangebote weiter.


Die Zahl der von städtischen Mitarbeitenden gemeldeten Gewaltvorfälle ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Nach drei Jahren mit jeweils 60 bis 70 Gewaltmeldungen gab es in 2023 insgesamt 114 Fälle, so viele wie nie zuvor. Hinzu kommen neun Meldungen von Sicherheitsdiensten, die für die Stadt Münster etwa in den Stadthäusern 1 und 2 im Einsatz sind. "Gewalt gegen Einsatzkräfte und Mitarbeitende der Stadtverwaltung – in welcher Form sie auch immer ausgeübt wird – ist absolut inakzeptabel", sagt Oberbürgermeister Markus Lewe. "Zum Schutz unserer Beschäftigten, aber auch der Menschen, die unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, ist es unser oberstes Ziel, ein sicheres Umfeld für den Dienst an unserem Gemeinwesen zu gewährleisten. Wir entwickeln deshalb die Präventions- und Nachsorgeangebote kontinuierlich weiter", erklärt Lewe.

Die Feuerwehr war im vergangenen Jahr mit 30 gemeldeten Vorfällen am stärksten von Übergriffen betroffen, das Jobcenter mit 21 gemeldeten Vorfällen, das Sozialamt mit 17, das Ordnungsamt mit 12 sowie die Abfallwirtschaftsbetriebe mit 11 gemeldeten Vorfällen. 

Die meisten Vorfälle ordneten die Mitarbeitenden der zweithöchsten von fünf Stufen zu. Dazu zählen etwa Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung oder die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Mehr als 75 Prozent der Übergriffe erfolgten durch Männer.

30 Übergriffe auf Rettungskräfte
Besonders eklatant ist der Anstieg der Gewaltmeldungen beim Rettungsdienst der Feuerwehr. Die Zahl der gemeldeten Übergriffe stieg von neun im Jahr 2022 auf 30 im vergangenen Jahr. Aus einer Vielzahl der Meldungen geht hervor, dass die Täter und Täterinnen offenbar alkoholisiert waren.

"Wer unsere Mitarbeitenden angreift, gefährdet den sozialen Frieden und muss die Härte des Rechtssystems zu spüren bekommen. Das ist auch der klare Wunsch der Opfer", betont Personal- und Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer. Das Thema stehe in Besprechungen mit Polizei und Staatsanwaltschaft auf der Tagesordnung.

Zugleich sieht Heuer die Stadt als Arbeitgeberin in der Pflicht: So wurde im vergangenen Jahr bei der Feuerwehr ein neues System eingeführt, mit dem Rettungskräfte Übergriffe niedrigschwellig schon vom Einsatzort online melden können. Dadurch sollen die Vorfälle möglichst lückenlos erfasst und den Betroffenen in der Folge besser geholfen werden. Das geschieht durch zeitnahe Nachbesprechungen mit Führungskräften und einem psychosozialen Unterstützungsteam, aber auch durch Hilfen beim Stellen von Unfall- oder Strafanzeigen.

Auch das Jobcenter verzeichnete im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der Gewaltmeldungen - von drei im Jahr 2022 auf 21 Gewaltmeldungen im Vorjahr. Die Gründe sind vielfältig. Zum einen wurde nach den Pandemie-Jahren der Publikumsverkehr in 2023 deutlich hochgefahren und die Auszahlungsstelle für Wohnungslose, in der es vermehrt Vorfälle gibt, ins Jobcenter verlegt. Zum anderen wurden Mitarbeitende und Führungskräfte über Präventions- und Nachsorgeangebote aufgeklärt. Im Nachgang dieser Sensibilisierung wurden vermehrt Vorfälle gemeldet.

Prävention und Nachsorge
Die Stadt unterstützt Betroffene auf mehreren Wegen. Die betriebliche Sozialberatung bietet den Mitarbeitenden unmittelbar ein Gespräch an. Zur Nachsorge gehört zudem die Empfehlung, nach jedem Vorfall eine Unfallanzeige zu erstellen, sodass über die zuständige Unfallkasse schnell und unkompliziert psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch genommen werden kann. 

Neu ist eine stadtinterne digitale Plattform zur Unterstützung der mentalen Gesundheit. Dort können Mitarbeitende sowohl Ansprechpersonen innerhalb der Verwaltung als auch externe Psychologinnen oder Psychologen kontaktieren und eine Beratung in Anspruch nehmen. Die Plattform ergänzt das Präventionsangebot der Stadt. Zahlreiche Video- und Textbeiträge sowie kurze Online-Schulungen zum Thema Gewalt stehen zur Verfügung.

Meistgelesene Artikel

Fünftes naturkundliches Ehrenamtsforum
Bildung & Wissenschaft

Naturforschung im LWL-Museum für Naturkunde erleben

weiterlesen...
Coesfeld: 36-Jährige tödlich verletzt
Polizeimeldungen

Tatverdächtiger 43-jähriger Ehemann festgenommen / Polizei Münster richtet Mordkommission ein

weiterlesen...
Tag der Lebensmittelrettung am 26. September in Münster
Genuss & Lifestyle

foodsharing zeigt die Dimension der Verschwendung (ab 12 Uhr)

weiterlesen...

Neueste Artikel

Zwischen Hollywood und Wissenschaft: Wie authentisch ist unser Bild der Antike?
Bildung & Wissenschaft

Öffentliche Ringvorlesung beleuchtet ab dem 19. Oktober, wie Archäologie in der Gesellschaft vermittelt wird

weiterlesen...
Gerichtsbeschluss: Vergabe der Wiesn-Zelte war rechtmäßig
Aus aller Welt

Darf bei der Vergabe der lukrativen Groß-Zelte alles so weiterlaufen wie gehabt? Oder müssen sie europaweit ausgeschrieben werden? Das Gericht hat seine mit Spannung erwartete Entscheidung verkündet.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Auszubildende leiten Stadtteilbücherei für zwei Monate
Allgemein

Lea Blümer und Vincent Löckmann übernehmen beim Praxisprojekt in Gievenbeck Verantwortung

weiterlesen...
Grundschule York mit Architekturpreis ausgezeichnet
Allgemein

Die Jury würdigt nachhaltiges Bauen und pädagogisch durchdachtes Raumkonzept / Verleihung des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten

weiterlesen...