11. Mai 2022 / Allgemein

Aasee-Gutachten liegt vor

Ursachenanalyse und Handlungskonzept nach Fischsterben im Sommer 2018

Aasee
Veröffentlicht am 11. Mai 2022 um 08:42 Uhr

Der ungewöhnlich heiße und trockene Sommer 2018 führte im August zu einem umfangreichen Fischsterben im Aasee. Auch eine große Zahl von verendeten Wasservögeln wurde nach den heißesten Tagen des Jahres am 8. und 9. August aufgefunden. Unmittelbar danach beauftragte die Stadt Münster Prof. Dr. Dietrich Borchardt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Magdeburg (UFZ) mit einem Gutachten zur Ursachenanalyse.
"Es liegt jetzt ein Handlungskonzept zur langfristigen Stabilisierung des Aasees vor, in dessen Erarbeitung alle Fachexperten eingebunden waren", beschreibt Stadtbaurat Robin Denstorff die umfassende Aufgabenstellung zur Verbesserung der Situation im See.

Aasee
Der Aasee in Münsters Innenstadt präsentiert sich häufig als Postkartenmotiv. Ungünstige Wetter-Konstellationen können ihm aber zu schaffen machen. Foto: Stadt Münster, Tilman Roßmöller

In die Erstellung des Gutachtens wurden auch zwei weitere Teilgutachten zur Fischerei und zur Sedimentanalyse aufgenommen. Parallel hat die Stadt zur Erarbeitung des Gutachtens gemeinsam mit den Experten eine "Resilienzstrategie" für das Gewässer in der Innenstadt erarbeitet und setzt konkrete Maßnahmen nun sukzessive um.

Ursachenanalyse
"Das Fischsterben im Aasee wurde durch mehrere zeitgleich auftretende Faktoren ausgelöst", erläutert Prof. Borchardt. Die stabilen Hochdruckwetterlagen im Sommer 2018 mit extrem hohen Luft- und Wassertemperaturen bei anhaltender Windstille und ohne Niederschlag über einen langen Zeitraum ergaben zusätzlich über mehrere Wochen einen sehr geringen Wasserzufluss von nur 40 Liter pro Sekunde über die Münstersche Aa in den See. "Das ist ein Rekordtief", so Borchardt.
"Die extrem hohe Fischpopulation im See verbunden mit einer fehlenden Durchmischung von sauerstoffreichem Oberflächenwasser und sauerstoffarmen Wasser am Grund des Gewässers führte zu einer Schwächung der Tiere. Die zusätzliche massenhafte Algenentwicklung und deren plötzliches Absterben ergab dann den Zusammenbruch des Sauerstoffgehaltes im Wasser, so dass es zum umfangreichen Fischsterben von rund 20 Tonnen kam", resümiert Dietrich Borchardt.


Die vom Messkatamaran "RiverBoat" gesammelten Daten leisteten einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung des Fischsterbens im Aasee. Foto: Stadt Münster

Handlungskonzept
Die Untersuchungen zeigen, dass der Aasee als künstliches Gewässer in Gestalt und Lage immer wieder Gefahr läuft, in eine Extremsituation wie 2018 zu geraten. Um dies zu vermeiden, ist von den Fachleuten im Amt für Mobilität und Tiefbau und dem Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit gemeinsam mit dem Gutachter und den Experten für Fischereibiologie des Ruhrverbandes und für Sedimentbeschaffenheit von der RWTH Aachen ein Handlungskonzept "Resilienzstrategie Aasee" erarbeitet worden.

Das Handlungskonzept bündelt verschiedene Maßnahmenpakete: Der Wasserzulauf in den Aasee soll qualitativ und quantitativ verbessert werden, etwa durch ökologische Verbesserung der zulaufenden Gewässer oder die Reduzierung der Nährstoffe im Wasser, die aus der Landwirtschaft und den Siedlungsbereichen stammen können. Mit der Umsetzung des Hegeplans soll die Menge der Friedfische auf eine gewässerverträgliche Menge begrenzt werden. Hierzu werden auch zunehmend Raubfische beitragen, deren Lebensraum im See stetig verbessert wird.

Die städtischen Spezialisten behalten den Aasee genau im Blick und gleichen regelmäßig festgelegte Grenzwerte mit der aktuellen Situation ab. Wenn nötig werden Maßnahmen in Gang gesetzt, wie der Einsatz der zwölf Belüfter, die bei Bedarf im See installiert werden. Die Koppelung von Datenmanagement und Belüfter kann kurzfristig die Situation im flachen See verbessern. Mithilfe neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse sollen auch zukünftig innovative Lösungen für den Aasee gefunden werden.  

Meistgelesene Artikel

Kinderrechtefest 2026 im Südpark: Gemeinsam für die Rechte der Kinder
Kinder & Familie

Mehr als 60 Einrichtungen und Organisationen beteiligen sich mit kostenfreien Mitmachaktionen sowie Spiel-, Sport- und Kreativangeboten.

weiterlesen...
Fünftes naturkundliches Ehrenamtsforum
Bildung & Wissenschaft

Naturforschung im LWL-Museum für Naturkunde erleben

weiterlesen...
Coesfeld: 36-Jährige tödlich verletzt
Polizeimeldungen

Tatverdächtiger 43-jähriger Ehemann festgenommen / Polizei Münster richtet Mordkommission ein

weiterlesen...

Neueste Artikel

Eurojackpot: 120 Millionen Euro gehen nach NRW
Aus aller Welt

Um 120 Millionen Euro ging es bei der Lotterie Eurojackpot - die größtmögliche Gewinnsumme für Lotteriespieler in Deutschland. Tatsächlich wurde der richtige Tipp in Deutschland abgegeben.

weiterlesen...
Mord an Rapper Tupac Shakur: 40 Jahre Haft für Drahtzieher
Aus aller Welt

Der Mord an dem Rapper Tupac Shakur schockierte 1996 die Öffentlichkeit. Erst 30 Jahre später kam es zum Prozess mit einem Schuldspruch. Jetzt verhängt eine Richterin eine lange Haftstrafe.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

awm-Kampagne wirbt für mehr Respekt im Arbeitsalltag
Allgemein

Beleidigungen und Bedrohungen gegen Mitarbeitende: Plakate, Radiospots und Social-Media-Beiträge zeigen konkrete Situationen und Lösungen

weiterlesen...
Blindgängerverdacht auf dem Lamberti-Kirchplatz wird am 11. Oktober überprüft
Allgemein

Freilegung ausnahmsweise an einem Sonntag / Im Fall einer Entschärfung beginnt die Evakuierung mittags

weiterlesen...