28. August 2020 / Kultur

Dario Fo – Bezahlt wird nicht

1. Premiere der Spielzeit 2020/21 im WBT

Dario Fo

Fotos: (Klaus Lefebvre)

 

Endlose Preiserhöhungen im italienischen Mailand bringen die Freundinnen Antonia und Margherita mit vielen anderen Frauen dazu, sämtliche Supermärkte zu plündern und ihre Einkäufe anschließend nach Hause zu tragen, denn: "Bezahlt wird nicht!" Zu Hause haben die beiden Probleme, ihr Diebesgut zu verstecken – denn nicht nur fürchten sie die Hausdurchsuchungen der Polizei, sondern vielmehr Antonias ahnungslosen und gesetzestreuen Ehemann Giovanni. So entsteht ein fulminantes Verwirrspiel voller absurder Ideen von erfundenen Schwangerschaften oder angeblich verstorbenen Polizisten.

Eine hochkomische, pointierte und sozialkritische Farce über das Aufbegehren eines jeden Einzelnen gegen die sozioökonomische Not.
Es geht turbulent zu in dieser Posse mit sozialkritischem Hintergrund. Ernster Realismus und trashiges Beinahe-Chaos wechseln ständig in höchstem Tempo. Dabei verliert Tanja Weidners Inszenierung nie die Übersicht über das turbulente Geschehen. Die überbordende Spielfreude des gesamten Ensembles tut ein Übriges, dem anarchischen Ablauf gerecht zu werden. Kaum zu glauben, dass aufgrund eines Bühnenunfalls von Monika Hess-Zanger die Hauptrolle der Antonia nur drei Tage vor der Premiere von Rosana Cleve übernommen werden musste. Ihre Rolle der Margherita wiederum übernimmt – ganz im shakespearschen Sinne, nach dem auch weibliche Rollen von Männern gespielt werden – Markus Hennes, was dem Ganzen zusätzlich einen gewissen Travestieanflug verleiht.

Mehr als erwähnenswert auch die souveräne Darbietung der übrigen Schauspieler: Florian Bender überzeugt als herrlich treudoofer, gesetzestreuer Giovanni, während Johannes Langer den strammen Proletarier Luigi mimt. Die beiden italienischen Ehemänner kreieren in ihrer hoffnungslos lächerlichen Unfähigkeit, einfachste Verrichtungen im Haushalt zu übernehmen, ein schier unerschöpfliches Reservoir an Spielideen voller abstruser Fruchtwasser- und Tierfutterdialoge. Alle übrigen Rollen (Polizist, Carabiniere, Leichenbestatter, Alter, Möbelpacker) verkörpert Jürgen Lorenzen in einer ruhigen, stoischen Art, die einen Kontrapunkt zur allgegenwärtigen Energie und Hyperaktivität darstellt.

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