15. Oktober 2019 / Allgemein

Igel gefunden - was nun?

Experten halten in der Umweltberatung Tipps für Tierfreunde bereit

Igel

Foto (pro Igel e.V.): Abendliche Zufütterung in nahrungsarmer Zeit vor dem Winterschlaf ist eine gute Igelhilfe 


Viele Menschen lieben den stachligen Gartenfreund und wollen vor allem jetzt im Herbst Gutes für ihn tun. Aber: Nicht jeder Igel braucht Hilfe, und doch muss jede Hilfe richtig sein. Dies zeigt die Ausstellung des Vereins "Pro Igel" vom 14. Oktober bis zum 28. November in der Umweltberatung im CityShop der Stadtwerke, Salzstraße 21.

Jedes Jahr im Herbst gelangen zahlreiche Igel in Menschenhände. Nicht selten werden die Tiere wahllos eingesammelt, in bester Absicht, aber unnötig. Igel sind Wildtiere! Nicht jeder Igel braucht Hilfe, aber jede Hilfe muss richtig sein! Ein gesunder Igel mit genügend Fettreserven überwintert am besten im Freien und in Freiheit!

Wann die Wildtiere in den mehrmonatigen Winterschlaf starten, hängt u.a. von der Witterung der jeweiligen Region ab. Als erstes verabschieden sich die erwachsenen Igelmännchen etwa im Spätherbst. Einige Wochen später folgen die Weibchen nach der Jungenaufzucht. Am längsten sind die Jungtiere aktiv; sie tun sich oftmals schwer, das für diese jungen Igel nötige Winterschlafgewicht von wenigstens 500 g bis Anfang November zu erreichen, weil sie mit dem fortschreitenden Jahr kaum noch Nahrungstiere wie Laufkäfer, Larven, Tausendfüßer und andere Insekten finden.

Im Herbst kann man den Stachlern durch Zufüttern helfen und hochwertiges Katzennassfutter, ungewürzt gegartes Rührei und Wasser anbieten, am besten in einem katzensicheren Igelfutterhaus. Eine umgestülpte mit Stein beschwerte Obstkiste genügt, aber es gibt auch viele „Modelle“ zum Eigenbau oder im Handel. Das Futter sollte immer erst abends herausgestellt, Reste müssen am nächsten Morgen entsorgt und die Gefäße gründlich mit heißem Wasser gereinigt werden, um die Infektionsgefahr an Futterstellen zu verhindern. Denn dort treffen sich Igel, die normalerweise als Einzelgänger unterwegs sind. Spätestens wenn es nachts friert, sollte das Füttern eingestellt werden. Aber es ist besser, Igel vor dem Winterschlaf zuzufüttern, als frühzeitig untergewichtige Jungigel aufzunehmen und zu überwintern.

In vorübergehende menschliche Obhut genommen werden dürfen ohnehin nur hilfsbedürftige Igel, also Tiere, die krank, verletzt, verwaist und/oder bei Wintereinbruch noch aktiv sind. Tagaktivität ist ein Zeichen dafür, dass ein Igel Hilfe braucht. Lässt er sich am helllichten Tag blicken, rollt sich nicht ein, torkelt, hat er garantiert ein Problem. Ein solcher Igel benötigt umgehend sachkundige Hilfe.

Gartenbesitzer können den stacheligen Besuchern vor dem Winterschlaf doppelt helfen. Naturnahe Gartengestaltung mit heimischen Pflanzen und Sträuchern zieht Insekten an – die natürlichen Nahrungstiere des Igels. Aufgeschichtetes Laub, Totholzhaufen und aufgehäufter Baumschnitt in einer ruhigen Ecke des Gartens bieten Igeln gute Bedingungen für Nest und Unterschlupf. Käufliche Igelhäuser sind ggf. ein zusätzliches Angebot. Igel lieben keine aufgeräumten Gärten, etwas Wildnis in durchgängigen Gärten macht für sie ein Stück guten Lebensraums aus. Wichtig ist auch, potentielle Gefahrenquellen zu entschärfen, also etwa steilwandige Teiche, Gräben und außenliegende Treppen durch Ausstiegshilfen zu sichern.

Wer Igeln helfen will, darf nicht zaudern. Fällt ein hilfsbedürftiges Tier auf, ist rasches Handeln entscheidend. Der stachlige Findling soll unbedingt ins Warme genommen werden. Verletzte Tiere sollten umgehend einem sachkundigen Tierarzt oder einer Igelstation vorgestellt werden. Wichtig ist auch Futter, etwa Katzenfutter aus der Dose oder ein Rührei, ungewürzt mit Öl angebraten. Fragen von Igelfreunden beantwortet die städtische Umweltberaterin Beate Böckenholt persönlich oder telefonisch unter (02 51) 4 92 67 67. Sie hält kostenfreie Informationsmaterialien rund um Igel, Igelschutz und Igelhilfe bereit (www.pro-igel.de).

Info: Die Beratungszeiten der Umweltberatung sind montags von 13 bis 18 Uhr, dienstags bis donnerstags 10 bis 13 Uhr und jeden dritten Samstag im Monat von 10 bis 16 Uhr. In dieser Zeit ist auch die Ausstellung zu sehen.

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