28. Mai 2019 / Kultur

Europa verteidigen - Eine freche Szenen-Collage im WBT

Was ist eigentlich noch übrig von der europäischen Idee?

Europa verteidigen

Foto (Klaus Lefebvre): v.l. Florian Bender, Rosana Kleve, Jürgen Lorenzen, Johannes Langer, Ivana Langmajer


Europa heißt das schöne Mädchen, das vom Göttervater Zeus aus dem Libanon über das Meer entführt und am Strand von Kreta brutal geschändet wird und der Aphrodite angesichts von Europas Hoffnungslosigkeit eine große Zukunft voraussagt: "Glaub an die Zukunft, an Sicherheit, an das Ende von Gewalt." Der Autor vereint in EUROPA VERTEIDIGEN drei Erzählstränge: Mythologie, Monologe von Zeitgenossen im Hier und Jetzt sowie Schlaglichter kriegerischer Auseinandersetzungen und der Dämonisierung von Fremden aus der europäischen Historie vom Heiligen Römischen Reich bis zu einer nur leicht in die Zukunft projizierten Zeit, in der eine Militärflotte unter europäischer Flagge Flüchtlingsboote im Mittelmeer versenkt.

Der junge Dramatiker Konstantin Küspert eröffnet in seinem 2016 entstandenen Wechselspiel zwischen unterschiedlichen Erzählverfahren, die sich aus Dokumentarischem, aus historischem Material, der mythologischen Geschichtsschreibung speist, ein reizvolles Spiel: Er schafft einen gedanklichen Raum, umkreist die europäische Idee, formuliert Fragen angesichts einer Gegenwart, die Europa als Gemeinschaft auf den Prüfstand stellt. Küspert wurde zu zahlreichen Festivals und Förderprogrammen eingeladen. Seine Stücke werden mittlerweile an mehreren renommierten Bühnen gespielt.

Tanja Weidner inszenierte die politische Groteske als einen humorvollen Parforceritt durch die drei Erzählstränge, verschachtelt sie und „zappt“ so lustvoll durch kurzweilige 90 Minuten. Ein Gewinn dabei auch die Auswahl der Musik, die dem ganzen Stück eine weitere Dimension an Heiterkeit verleiht. Dabei gleitet das Stück nie in Banalitäten ab oder wird die Weltlage zu sehr verulkt. Vielmehr steht am Schluss ein flammender Appell, dieses Europa zu verteidigen – nicht die Grenzen, aber immer die Werte. Ein Stück, das mehr Premierenbesucher verdient hätte – nicht zuletzt wegen des teilweise bedenklichen Wähler- und Politikerverhaltens zur Europawahl.

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