25. Januar 2024 / Kunst & Kultur

Carmen: Premiere am Großen Haus

Oper in vier Akten von Georges Bizet / Dichtung nach der Novelle von Prosper Mérimée von Henri Meilhac und Ludovic Halévy

Theater Carmen

Foto (Martina Pipprich): Wioletta Hebrowska, Garrie Davislim, Benjamin Park & Opernchor


Das beliebte Meisterwerk Carmen ist mit seiner Premiere am 27. Januar 2024 als dritte große Musiktheaterproduktion dieser Spielzeit im Theater Münster nach zehn Jahren in einer Neuinszenierung zu erleben.

Als eine der auf der Bühne meistgespielten Opern beinhaltet Carmen eine gewisse Erwartungshaltung: Liebe, Tod, Eifersucht, Erotik, Tanz – alle Zutaten einer durchweg fesselnden Geschichte sind vorhanden. Carmen wurde zum beharrlichsten Mythos in Bezug auf die Frau, die als „Andere“ bezeichnet wird. Die „wilde“ und „unkontrollierbare“ Frau verkörpert die faszinierende Sinnlichkeit und Leidenschaft, eine Sprengkraft für männliche Ordnung, Vernunft und Kontrolle. Sexualität und Tod sind verbunden, Gift, Übellaunigkeit und Bitterkeit kommen ins Spiel und die Frau wird zur Quelle von Ärger und Verdruss. „Eine seltsame und wilde Schönheit, die man nicht vergessen kann“, und die ihren Liebhaber Don José schließlich in die Verzweiflung und zum Mord treibt. 

In ihrer Inszenierung setzt sich die Regisseurin Andrea Schwalbach mit dem Thema des Femizides intensiv auseinander, mit dem Versuch, dem Narrativ, dass das Opfer halb selbstverantwortlich für seinen Mord sei, zu entkommen. Carmen bekommt viele Zuschreibungen, doch bleibt sie immer ein wenig verschwommen, ungreifbar. Am Ende bleibt sie dem Blick des Mannes und seiner Gewalt ausgeliefert. Die Inszenierung spielt mit der Erwartungshaltung der Zuschauer*innen und der Figuren selbst und lässt sie das etablierte Narrativ über die femme fatale von außen wahrnehmen. Die Erfindung einer fiktiven Figur, der Conférencier, vom Gast Bariton Laurent Arcaro gespielt, bricht die vierte Wand und zwingt uns und die Figuren der Oper selbst, die Geschichte anders zu betrachten.

Auch wenn die Oper Carmen ihr blutiges Ende voraussehen lässt, ist sie mit dem Gattungstitel opéra comique bezeichnet. Das bedeutete 1875, zur Zeit ihrer Uraufführung in Paris, allerdings nicht viel mehr, als dass das Stück für diejenige Pariser Bühne bestimmt war, auf der üblicherweise „opéras comiques“ aufgeführten wurden, also Opern, in denen zwischen den musikalischen Nummern keine gesungenen Rezitative, sondern gesprochene Dialoge vorgesehen waren. Darüber hinaus ist Carmen auch musikalisch und in der Stoffwahl weder Grand Opéra noch Operette: Auf die Bühne werden authentische Menschen gebracht, keine Kunstfiguren oder Helden, während hinter der tänzerischen Fröhlichkeit ihrer Musik Grausamkeitsdetails stecken.

Die musikalische Leitung liegt bei GMD Golo Berg. Die Titelpartie singt Mezzosopranistin Wioletta Hebrowska. Der Bariton Laurent Arcaro gibt sein Debüt am Theater Münster mit den Partien von Morales und Dancairo, in der hinzugefügten Figur des Conférenciers zusammengebracht. Mit Garrie Davislim als Don José, Johan Hyunbong Choi als Escamillo, Robyn Allegra Parton als Micaela, Ki Hoon Yoo als Zuniga, sind weitere bekannte Gesichter zu erleben. Die Opernstudiomitglieder Benjamin Park als Remendado, Katharina Sahmland als Frasquita, Maria Christina Tsiakourma als Mercédès, sowie Milena Sonia Junge als Tänzerin komplettieren das Carmen-Ensemble.

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