29. März 2022 / Fit & Gesund

Babylotsendienst am Clemenshospital gestartet

Stadt Münster und BabyOne helfen bei der Finanzierung

Babylotsen

Foto: v.li. Sabine Trockel, Leiterin des Amts für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster, Elke Alaze, Babylotsin am Clemenshospital, Dr. Georg Hülskamp, Chefarzt der Klinik für Kinder-​ und Jugendmedizin im Clemenshospital, Nicole Heidwinkel, Babylostin am Clemenshospital, Dr. Rüdiger Langenberg, Chefarzt der Frauenklinik im Clemenshospital, Sören Heller, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster – Koordinator des Landesprogramms „kinderstark – NRW schafft Chancen“, Sabrina Schulz, Fundraising Clemenshospital


Familie F. hat Zuwachs bekommen. Die Geburt ist unkompliziert verlaufen, Mutter und Kind sind wohlauf. Doch die Mutter ist unsicher. Der Umzug aus einer anderen Stadt nach Münster liegt noch nicht lange zurück. Es ist ihr erstes Kind und sie kennt noch kaum jemanden vor Ort, den sie bei Problemen fragen könnte.

In Fällen wie diesen hilft der Babylotsendienst. Seit Jahresbeginn sind Elke Alaze, Sozialarbeiterin sowie Fachkrankenschwester für Intensivpflege und Anästhesie, und Nicole Heidwinkel, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, im Clemenshospital als Babylotsinnen im Einsatz. In einem persönlichen Erstgespräch ermitteln sie den Unterstützungsbedarf von Familien und vermitteln dann etwa Angebote der „Frühen Hilfen“ oder der Nachsorge in der jeweiligen Wohnortnähe. „Denn Eltern, denen man frühzeitig bei ihren individuellen Herausforderungen hilft, können viel besser für ihr Kind da sein“, sagt Elke Alaze und macht damit auf den präventiven Aspekt des Programms aufmerksam.

Das Clemenshospital der Alexianer ist als zweite Geburtsklinik in Münster Einsatzort für den Babylotsendienst. Es ist zudem Mitglied im Qualitätsverbund „Babylotsen“. Obwohl sich das Projekt noch im Aufbau befindet, hat in diesem Jahr schon jede siebte Familie nach der Geburt dieses Unterstützungs- und Beratungsangebot genutzt.

Finanziert werden die Babylotsinnen des Clemenshospitals zum überwiegenden Teil aus Landesmitteln des Förderprogramms „kinderstark – NRW schafft Chancen“. Die verbleibenden Kosten tragen zu gleichen Teilen die Stadt Münster und der Babyausstatter BabyOne. Mit jeweils 7000 Euro unterstützen sie das Projekt. „Die Babylotsinnen leisten mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag bei der Kontaktaufnahme und der Vermittlung in präventive Hilfsangebote der Frühen Hilfen. Daher freuen wir uns, den Babylotsendienst im Clemenshospital als weiteren Baustein unserer städtischen Präventionskette begrüßen und begleiten zu können“, sagt Sabine Trockel, Leiterin des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster.

BabyOne mit Sitz in Münster war schnell und unbürokratisch bereit, das Projekt am Clemenshospital zu ermöglichen. „Um den Start ins Familienleben zu unterstützen, setzen wir uns gerne dafür ein, dass Eltern und Neugeborene frühzeitig Hilfsangebote in Anspruch nehmen können. Das Babylotsinnen-Programm finden wir großartig und leisten von Herzen gerne einen Beitrag für die Etablierung am Clemenshospital”, erklärt Gabriele Weischer, Gesellschafterin von BabyOne. Die Finanzierung für das erste Projektjahr ist abgesichert. Damit der Babylotsendienst auch im Jahr 2023 fortgeführt werden kann, sind Spenden weiterhin wichtig. Nur so kann das Projekt dauerhaft etabliert werden.

Die Teams von der Kinder- und Jugendmedizin sowie Geburtshilfe freuen sich über das ergänzende Angebot. „Wir sind sehr froh, dass wir junge Eltern über die gute medizinische  Betreuung hinaus nun ganzheitlich unterstützen und mit den Babylotsinnen einen guten Start ins Familienleben ermöglichen können“, sagt Dr. Georg Hülskamp, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin. Die Geburtshilfe des Clemenshospitals ist eine wichtige Anlaufstelle für junge Familien. „Mit mehr als 1800 Geburten im Jahr erreichen wir nicht nur Eltern in Münster, sondern auch im Umland – wie etwa dem Kreis Coesfeld oder sogar überregional“, bestätigt Dr. Rüdiger Langenberg, Chefarzt der Geburtshilfe.

Die Herausforderungen der Familien sind so vielfältig wie die Familien selbst: Manche Eltern belastet die Menge an Formularen, die nach der Geburt eines Kindes ausgefüllt werden müssen. Manchmal sind die Formulare unverständlich – wegen der Sprache oder weil gar nicht bekannt ist, was beantragt werden kann oder auch muss. „Es gibt Eltern, die haben einfach noch keine Hebamme oder keinen Kinderarzt gefunden“, erzählt Nicole Heidwinkel. Aber auch psychische oder finanzielle Probleme oder auch eine schwierige Lebenssituation sind Ansatzpunkte, bei denen die Babylotsinnen ihre Hilfe anbieten. Sie haben ein offenes Ohr und stellen sich sensibel auf ihr Gegenüber und die jeweilige Situation ein, um den Kindern einen guten Start ins Leben ermöglichen.

Das Präventionsprogramm „Babylotse“ wurde vor 15 Jahren von der Stiftung „SeeYou“ in Hamburg entwickelt und hat sich seitdem in Kliniken in acht Bundesländern etabliert. Enge Kooperationen mit den „Frühen Hilfen“ der Kommunen sind ein wesentlicher Baustein der vernetzenden Präventionsarbeit. Denn in vielen Fällen bestehen die Angebote bereits – sie sind aber den Müttern, Vätern und Familien nicht bekannt oder es besteht eine Scheu, sie anzunehmen. Dem soll der Babylotsendienst entgegenwirken.

Weitere Informationen zu den Babylotsen des Clemenshospitals finden Sie im Internet unter:
www.clemenshospital.de/leistungen/abteilungen/geburtshilfe-eltern-kind-zentrum/babylotsen

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