2. März 2023 / Kunst & Kultur

Ausstellungseröffnung "Wat schuckt die Pore?"

Geheimsprache der westfälischen Viehhändler im Feinkunsthaus (Jüdefelderstraße 47)

Sievert, Scharte, Terriete

Foto: Klaus Siewert, Nicole Scharte und Ludger Teriete freuen sich über den vergnüglichen und lehrreichen Abend im Zeichen der Geheimsprache der westfälischen Viehhändler


Schon am Freitagmorgen drückten sich die ersten Interessierten an den Fensterscheiben des Feinkunsthauses in der Jüdefelderstraße die Nasen platt - am Abend lud dann Klaus Siewert anlässlich der Eröffnung der Ausstellung zu einer Zeitreise durch 25 Jahre spannende Forschung und Dokumentation der geheimen Sprache der westfälischen Viehhändler ein. 1997 hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einem Suchruf nach Sprechern und Gewährsleuten damit begonnen, die vom Untergang bedrohte Sondersprache zu retten. Unter den in der Ausstellung zu sehenden Dokumenten: ein letzter Brief von Kurt Salomon Maier aus Washington an Klaus Siewert vom 4. Oktober 2021 - ein besonderes Zeugnis des Schicksals der damaligen jüdischen Viehhändler. 


In der Übersetzung: „Mein Opa war Viehhändler. Er ist früher mit dem Zug in den Schwarzwald gefahren und hat Vieh von Nichtjuden aufgekauft. Er hat sich immer selbst etwas zum Essen mitgenommen; denn im Wirtshaus gab's nur unreines Schweinefleisch. Ja, eine verschwundene Welt. Die Nazis waren sehr gründlich. Heute gibt es keine jüdischen Viehhändler mehr.“

Auf die Frage nach dem Ziel des Unternehmens Klaus Siewert: "Die Ausstellung zur Viehhändlersprache möchte - als besondere mediale Form der Wissensvermittlung - das öffentliche Interesse am Thema Geheimsprachen bedienen. Ein solcher Transfer dient dabei aber nicht nur der Präsentation des bisher Erreichten, sondern verbindet sich – im Rahmen eines interaktiven Prozesses - auch mit der Hoffnung auf neue Hinweise und Dokumente zum Thema." 

Und die hat es bereits gegeben: Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern, denen jetzt nachgegangen wird – und ein für den Viehhandel und die Viehhändlersprache in Westfalen zeugendes Dokument aus dem Archiv für Alltagskultur in Westfalen des LWL, in dem auch Wörter aus der damaligen Viehhändlersprache wie mackesmänner und ruusen zu finden sind: eine „nach eigenem Erleben“ von Hauptlehrer H. Lewing aus Wolbeck 1969 verfasste, 21 Seiten umfassende Schrift über den „Viehhandel früher und heute“ am Beispiel Haltern-Lavesum.


Als besonderes Highlight rund um die Ausstellung stellte Ludger Teriete von der Destillerie Dwersteg in Steinfurt den ersten Geheimsprachen-Schnaps der Welt vor: sein Name: Jovler Schabau (guter Tropfen). Auf dem Rückenetikett geht's mit Schnapslyrik auf Masematte (von Klaus Siewert) weiter:
„Pani“ zum Pieren – maschemau? Ich dibber, ich kneister: Das is ja Schabau! Ich schaske, ich schicker, ich pier die schawehle und scherbel im dictus nach beis auffe strehle. Bleibst mucker im schero: das is jovle sore! Als pilo, als quinie: man trinkt ohne more.

 

Kontakt/Öffnungszeiten:
24. Februar bis 31. Mai 
Lemper-Haus/Feinkunsthaus, Jüdefelder Straße 47, 48143 Münster.

Montag geschlossen
Dienstag, Mittwoch & Freitag 13.00 Uhr – 18.00 Uhr
Donnerstag 14.00 Uhr – 18.00 Uhr
Samstag 10.30 Uhr – 14.30 Uhr
Individuelle Termine nach Vereinbarung. Führungen für Schulklassen und größere Gruppen.
Ansprechpartnerin Nicole Scharte: 0251-46371 oder 0151-20062339
info@genusskaufhaus.de oder info@lemperhaus.de

Ausstellungsführer
Das Buch zur Ausstellung „Die geheime Sprache der Viehhändler. Dokumente aus Feldforschung und Wissenschaft 1997 bis 2021“ ist in der Ausstellung digital erhältlich (USB-Stic). Die Druckfassung erscheint (mit Unterstützung des LWL) im März/April.

 

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