20. Oktober 2022 / Kunst & Kultur

Ausstellung zur „queeren Geschichte“ Münsters

Historiker, Studierende und ein Team der Stadt erforschen Vorläufer der heutigen Community

Schwulendemo 1972

Foto (Stadtarchiv Münster, Rosa Geschichten. Schwul-lesbisches Archiv): Am Prinzipalmarkt standen sich Stadtbevölkerung und Demonstrierende bei der ersten schwul-lesbischen Kundgebung in der Bundesrepublik vor 50 Jahren gegenüber. Eine Ausstellung thematisiert nun die Anfänge und Entwicklung der queeren Bewegung in Münster seit 1972.


Die Ausstellung "Queer Münster. Eine andere Geschichte der Stadt" wird am Freitag, 21. Oktober, ab 19 Uhr im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster eröffnet. Ab dem folgenden Montag, 24. Oktober, ist die Schau dann in der Stadtbücherei am Alten Steinweg zu sehen (bis 5. November). Die Stadt Münster unterstützte das Ausstellungsprojekt, das mit Fotos, Originaltexten und Erläuterungen auf 22 Schautafeln die jüngere Geschichte Münsters aus einer queeren Perspektive nachzeichnet.

"Die Macherinnen und Macher der Ausstellung holen damit das Thema Homosexualität in die Mitte der Gesellschaft und regen zum Dialog abseits der heterosexuellen Norm an", sagt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Maria Winkel wird sie die Eröffnungsgäste begrüßen.

Zusammen mit Studierenden der Universität Münster hatten sich Dr. Julia Paulus und Dr. Claudia Kemper, beide Historikerinnen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), auf Spurensuche begeben. Sie wollten wissen, wo Vorläufer der heutigen queeren Community liegen. Anlass für dieses Projekt war der 50. Jahrestag der ersten schwul-lesbischen Demonstration in Deutschland, die am 29. April 1972 in Münster stattfand - lange vor den ersten deutschen Christopher Street Days.

"Seitdem hat sich die queere Community vielfältig entwickelt und für Gleichberechtigung und Anerkennung eingesetzt. Diese Zeit und das Engagement von Homosexuellen einem breiten Publikum zugänglich zu machen, ist wichtig – auch um die gegenwärtige Situation und weiterhin bestehende Herausforderungen für Lesben, Schwule, trans*, bi- oder nicht-binäre Personen nachvollziehen zu können", ordnet Claudia Kemper ein. "Dabei wird auch deutlich, dass diese andere Geschichte der Stadt die ganze Gesellschaft etwas angeht", ergänzt Julia Paulus.

Die Stadt Münster war bei der Planung des Ausstellungsprojektes dabei. "Dieses Engagement und die gesellschaftliche Vielfalt in historischer Perspektive sichtbar zu machen, ist uns ein wichtiges Anliegen", betont Markus Chmielorz, Ansprechperson der Stadt für den Themenbereich LSBTIQ*. Parallel erforscht ein Team des städtischen Amts für Gleichstellung, des Stadtarchivs und des Geschichtsorts Villa ten Hompel die Geschichte von Münsteranerinnen und Münsteranern, die als Homosexuelle während der nationalsozialistischen Herrschaft und darüber hinaus bis 1969 verfolgt wurden. Auch weitere bisher "vergessene" Verfolgte, die etwa einer gesellschaftlichen Minderheit angehörten, sollen durch dieses Forschungs- und Gedenkprojekt angemessen gewürdigt werden.

Spuren einer queeren Geschichte fanden die Forscherinnen und die Studierenden vor allem in der gemeinschaftlichen Sammlung "Rosa Geschichten". Sie wurde in diesem Sommer von ihrem bisherigen Aufbewahrungsort im KCM Schwulenzentrum Münster e.V. an das Stadtarchiv übergeben, um dort dauerhaft für die Öffentlichkeit nutzbar zu sein. Das KCM unterstützt zusammen mit livas, Verein für Frauen, Lesben, inter-, nicht-binäre sowie trans*-Personen in Münster, auch das Ausstellungsprojekt.

Nach der Eröffnung im LWL-Museum für Kunst und Kultur und dem Gastspiel in der Stadtbücherei wandert die Ausstellung "Queer Münster. Eine andere Geschichte der Stadt" unter anderem durch Schulen. Fragen zu Leihmöglichkeiten beantworten das Stadtarchiv Münster (E-Mail: archiv@stadt-muenster.de) oder das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte. 

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