20. November 2021 / Genuss & Lifestyle

Zu Besuch auf der Farm der Zukunft

Future Food GmbH mit Urban Farming in den ehemaligen Produktionsstätten der Stadtbäckerei

Future Food

Fotos (Future Food GmbH): Energiesparende LEDs geben den Pflanzen optimales Licht für ein gesundes Wachstum

Seit September 2021 werden in den ehemaligen Produktionsstätten der Stadtbäckerei am Schleebrüggenkamp wieder frische Lebensmittel hergestellt. Anders als man denkt geht es aber nicht um Brot und Brötchen - seit neustem wachsen hier in einer 1000qm großen Urban Farm frische Pflanzen.

Urban Farming verknüpft Hydroponik, den erdlosen Anbau - und Vertical Farming, den Anbau auf mehreren Etagen. Diese noch recht neue Art der Landwirtschaft ermöglicht eine ressourcenschonende und platzsparende Pflanzenzucht an nahezu jedem Ort. Da das Gemüse nicht mehr auf dem Acker, sondern drinnen in Regalen wächst, kann das Klima kontrolliert und optimiert werden. Ein besonderes Gewächshaus wird dafür nicht benötigt. Dank LED Beleuchtung scheint immer die Sonne, den Pflanzen wird so ein perfektes Umfeld, frei von Pestiziden und schädlichen Umwelteinflüssen geboten.

Der geschlosse Wasserkreislauf, in dem die Pflanzen ernährt werden, spart gegenüber konventioneller Agrarwirtschaft bis zu 96% Wasser, welches sonst im Boden versickern würde. Diese Anbautechnik ermöglicht es, dass viele Nahrungsmittel ganzjährig in urbanen Lebensräumen angebaut werden können. Lange Lieferwege und -zeiten gehören so der Vergangenheit an und Lebensmittel verlieren beim Transport keine Nährstoffe.

 
Weizengras Microgreens sind glutenfrei und enthalten 60x mehr Vitamin B12 als Rindfleisch.

Eine Urban Farm garantiert über das ganze Jahr Ernten in gleichbleibender Qualität. „Wir produzieren unabhängig von Wetter und Jahreszeit“, erklärt der Gründer der Future Food GmbH Björn Sickel. „In unserer Farm gibt es keinen Dünger, keine Pestizide und auch sonst keinen Einsatz von Chemie“, fährt er fort und zeigt ein Becken mit Tilapia Fischen, deren Ausscheidungen die Pflanzen düngen. „Mit Hilfe von Aquaponik und Vertical Farming betreiben wir hier die Landwirtschaft der Zukunft, diese Fische produzieren den Dünger für unsere Pflanzen.“

Der münsteraner Visionär möchte nichts weniger als eine Revolution in der Landwirtschaft bewirken und sagt, dass er davon ausgehe, dass Essen bald nur noch da wachse, wo es benötigt werde. Saisonal unabhängig, direkt in der Stadt beim Verbraucher.

Und mit seinem Plan meint er es ernst: Über ein halbes Jahr Umbau und fast 100.000 € stecken in der rosa beleuchteten Halle, in der auf 5 Etagen frisches Grünzeug für Münster wächst. Das speziell auf die Bedürfnisse der Pflanzen abgestimmte Licht wird von energiesparenden LEDs produziert und unterstützt die Pflanzen perfekt im Wachstum. Dadurch benötigt beispielsweise ein Salatkopf nur 26 Tage vom Samen bis zur Ernte.


Sonnenblumen Microgreens enthalten 20-25% aus Eiweiß und sind reich an ungesättigten Fettsäuren.

Den Start macht die Future Farm mit Microgreens, das sind junge Pfanzen, die besonders reichhaltig sind und ein Vielfaches der Vitamine und Nährstoffe enthalten, die man in ausgewachsenen Pflanzen findet.

Microgreens gelten als Superfood und sind eine gute Unterstützung für eine vollwertige und ausgewogene Ernährung. Sie können sehr vielseitig eingesetzt werden und lassen Gerichte nicht nur besser schmecken, sondern auch gesünder werden. Microgreens eignen sich als Salat, mit Quark oder Frischkäse zum Frühstück, als Smoothie oder einfach als essbare Garnitur auf dem Teller.


Geschäftsführer Björn Sickel mit Radieschen und Weizengras Microgreens

Zur Zeit wachsen 12 verschiedene Sorten Microgreens in der Urban Farm in Münster. Nach und nach wird das Angebot um verschiedene Salate, Kräuter, essbare Blüten und Fisch erweitert. „Wir wachsen gemeinsam mit den Pflanzen, das macht es so spannend“, erklärt der 48-jährige Unternehmer, der sich schon lange mit Indoor-Farming beschäftigt und nun seinen Traum verwirklicht.

Man könne sich vorstellen, Sorten anzupflanzen, die in der konventionellen Landwirtschaft keine Chance haben. „Manche Pflanzen sind zu anfällig für Schädlinge oder wachsen zu langsam, sind aber viel nährstoffreicher und intensiver im Geschmack“, schwärmt der Münsteraner mit einem Funkeln in den Augen.


Microgreens enthalten im Durchschnitt 10x mehr Nährstoffe als die ausgewachsene Pflanze

Kunden können die Microgreens aktuell über www.futurefood.ms bestellen und bekommen die Ware per Lastenrad nach Hause geliefert. Gesucht wird aber auch nach Lebensmittelhändlern und Restaurants, die die Microgreens anbieten wollen. „Wir führen schon einige interessante Gespräche, freuen uns aber über jeden, der neugierig geworden ist und sich meldet“, sagt der Urban Farmer und fügt hinzu, dass es allerdings mit dem Fahrrad erreichbar sein muss. Dies sei Teil des Konzepts und er lege großen Wert auf den Unterschied zwischen regionalem und lokalem Anbau.
 

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