13. April 2019 / Kunst & Kultur

Wir haben es immer schon geahnt: Digital ist blöd

Die Mitwisser – Monika Hess-Zanger inszeniert Philipp Löhles Netzweltkomödie im WBT

Mittwisser

Theo Glass (Florian Bender) hat sich als einer der ersten einen Kwant (Jürgen Lorenzen) besorgt. Also einen dieser unauffällig dienstbeflissenen Herren, die jederzeit mit Rat und Tat zur Stelle sind und bald von immer mehr Menschen genutzt werden. Theo ist Feuer und Flamme für seinen neuen Freund. Der smarte Herr K. erleichtert ihm zum Beispiel seine Arbeit als Enzyklopädist ungemein, denn er weiß einfach alles. Theos Frau Anna (Ivana Langmaijer) ist da viel skeptischer. Für ihren Geschmack mischt sich Kwant in viel zu viele persönliche Dinge ein. Immer sitzt er freundlich dabei und hört alles mit. Erzählt er das irgendwem weiter? Theos Chef (Heiko Grosche) stellt eine ganz andere Frage: Wenn Herr Kwant das ganze Wissen bereitstellt, wozu braucht man dann noch Theo?

Der 40jährige Philipp Löhle versetzt in seiner 2018 uraufgeführten Komödie die Digitalisierung in ein analoges Paralleluniversum und lässt uns in einer vollkommen "kwantifizierten" Welt landen, in der unsere dunklen Ahnungen über Big Data und Co. mehr als erfüllt werden.

„Die Mitwisser“ hätten eine bitterböse Boulevardkomödie werden können, aber die "Idiotie", wie der Autor sie selbst nennt, bietet lediglich comicartige Szenen, die mehr oder weniger lustig unser tägliches Verhalten in der digitalen Welt nachzeichnen oder unsere Abhängigkeit von Smartphones und Co. aufzeigen: Keiner liest die AGBs, jeder Quatsch erhält ein „gefällt mir“, Wissen ist im Netz jederzeit verfügbar, alles ist gläsern, Influenzer nerven, den „freien Willen“ gibt es nicht.

Spannend hätte es werden können, als der in der analogen Welt lebende Nachbar (Johannes Langer) offensichtlich über Theo und Herrn Kwant Materialien zum Bau einer Bombe bestellt. Leider bricht dieser Handlungsstrang einfach ab.

Die, wie üblich im WBT, ausgezeichneten Schauspieler arbeiten sich hochprofessionell durch die vorhandenen Schwächen des Stücks und sorgen trotz manchem Kalauer für einen kurzweiligen und vergnüglichen Abend. Gefällt mir!

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