Foto (Alexianer): Wiedersehen bei der Feier zum 30-jährigen Bestehen der Neurotraumatologischen Frührehabilitation des Clemenshospitals (v.l.): Prof. Dr. Uta Schick, Dustin Feldbrügge und Dr. Bernd Hoffmann
„Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. In Ihrem Kopf befindet sich ein Tumor, der aber gutartig ist.“ Den Tag dieser Diagnose wird Dustin Feldbrügge nie vergessen. „Ich hatte nur Nackenschmerzen. In meiner Ausbildung zum Metallbauer dachte ich an eine Zerrung und ging zum Chiropraktiker.“ Dieser empfahl sofort ein MRT, mit beunruhigendem Ergebnis. „Meine Eltern und ich waren geschockt. Ich dachte: Ich bin erst 19 – war’s das jetzt?“
Feldbrügge war sportlich und aktiv: Schwimmen, Fußball, Inliner, Schrauben am Roller, viel unterwegs mit Freunden. „Ich war nie der Typ für zuhause.“ Der Begriff „gutartig“ vermittelt trügerische Sicherheit: Zwar bilden solche Tumoren keine Metastasen, doch sie verdrängen gesundes Gewebe – im Schädel ist das besonders gefährlich. Der Tumor war rund sechs Zentimeter groß und eine Operation unumgänglich.
Sein Arzt empfahl das neuroonkologische Zentrum des Clemenshospitals, ein Krankenhaus des Alexianer-Verbunds. Chefärztin Prof. Dr. Uta Schick entfernte den Tumor vollständig. Eine Blutgerinnungsstörung machte jedoch mehrere Folgeoperationen nötig. „Nach dem Eingriff lag ich einen Monat im Koma, danach 120 Tage in der neurotraumatologischen Frührehabilitation. Dass das eine schwere Zeit war, muss ich nicht extra sagen“, so der heute 31-Jährige. Die enge Verzahnung von Neurochirurgie und Frührehabilitation war dabei entscheidend. „Frühzeitige, gezielte interdisziplinäre Therapie mit einem abgestimmtem Plan ist essenziell, um die Heilung zu fördern und Spätfolgen zu minimieren“, erklärt Schick. Das Neuroonkologische Zentrum des Clemenshospitals ist Teil der Münsteraner Allianz gegen Krebs – MAgKs, einem Zusammenschluss der Tumorzentren von Clemenshospital, Raphaelsklinik und Fachklinik Hornheide.
Am Heiligabend 2013 erwachte Feldbrügge beim Klang eines Weihnachtskonzerts aus dem Koma. „Du bist unser Weihnachtswunder“, sagte eine Pflegekraft damals. Der Weg zurück war mühsam: Schlucken lernen mit der Logopädie, erste Schritte mit der Physiotherapie. „Als ich erstmals wieder stehen konnte, wusste ich: Es geht voran.“ Drei Monate lang waren Therapeutinnen und Therapeuten neben Familie und Freunden seine wichtigsten Bezugspersonen. „Bis heute bringe ich alle drei Monate Pralinen vorbei“, sagt er lachend.
Heute arbeitet Dustin Feldbrügge in der Buchhaltung der Fraunhofer Batterieforschung in Münster. Die Erfahrung hat seinen Blick aufs Leben verändert: „Man kann Krankheiten nicht vergleichen. Manche wirft eine Erkältung aus der Bahn, ich habe einen Hirntumor überlebt. Alles hat einen Sinn. Wenn ich mich als Opfer sehe, bin ich eins. Geld ist nicht das Wichtigste, glücklich zu sein schon.“
2023 zeigte das letzte Kontroll-MRT keinen Rückfall, Feldbrügge gilt damit als geheilt. Seine Wünsche sind bescheiden: im aktuellen Job bleiben und irgendwann einen Hund haben. Rückblickend fehlte ihm der Austausch mit anderen Betroffenen: „Mit Menschen zu sprechen, die Ähnliches erlebt haben, ist unbezahlbar. Google hilft, aber Gespräche sind wertvoller.“











