Foto (Michael Lyra): v. li. Carola von Seckendorff, Amelie Barth und Soraya Abtahi
In Siri und die Eismeerpiraten begibt sich das Theater Münster mit seinem diesjährigen Familienstück auf eine abenteuerliche Spurensuche im Eismeer.
Piratenkapitän Weißhaupt, der gefährlichste Mann des ganzen Eismeers, hat Siris Schwester Miki geraubt, um sie in seiner Kohlemine schuften zu lassen. Was soll Siri nun tun? Für das mutige Mädchen ist die Antwort klar: Sie wird Miki nicht den Piraten überlassen und wagt, was kein Erwachsener sich traut. Kurzentschlossen fährt sie ihrer Schwester hinterher. Eine abenteuerliche Reise über das Eismeer beginnt, auf der Siri Verbündete findet, sich aber auch neue Feinde macht. Frida Nilsson erzählt eine aufregende Geschichte über die Kraft der Freundschaft, Geschwisterliebe und ein junges Mädchen, das seine größten Ängste besiegt und schafft, was allen anderen unmöglich erscheint.
Nilsson beherrscht dabei die Kunst sich elegant und wie beiläufig voller Phantasie den großen Themen aus der realen Welt zu widmen und so ganz neue Perspektiven zu eröffnen. In ihren Geschichten reichert sie einen radikal sozialkritischen Realismus mit fantastischen Verfremdungseffekten an. Sie ist die Meisterin der spannenden Dramaturgien, beherrscht dabei unterschiedlichste humoristische Spielarten und widmet sich gleichzeitig den großen Fragen der Zeit.
Regisseurin Sandra Strunz, die zuletzt am Staatstheater Darmstadt und am Nationaltheater Mannheim für den Abendspielplan inszeniert hat, erzählt mit ihrer Inszenierung von Nilssons Familienstück eine Abenteuerreise mit allem, was eine gute Geschichte braucht: furchteinflößende Piraten, wilde Wölfe, mächtige Schiffe und eine Heldin, die sich all dem entgegenstellt. Ohne Klischees zu bedienen, nähert sich Strunz mit viel Musik (Henning Nierstenhöfer), Tanz und großen Bühnenmomenten den Themen Armut, Verlustangst und den Rechten von Kindern, ohne den Zauber des Theaters und die Freude am Geschichtenerzählen zu verlieren.
In der Bühne und den Kostümen von Sabine Kohlstedt verwandelt sich das Große Haus im Theater Münster mal in ein Piratenschiff, mal in eine Schäre im Meer und mal in eine wilde Kneipe voller Halunken und Taugenichtse. Ein modernes Bild des klassisch Bösen, das mit der Gewissheit endet, dass Freundschaft und Mut stärker sind als Traurigkeit und Angst – egal, wie jung oder alt man ist und egal, was einem die anderen zutrauen.











