Foto (THEATER MÜNSTER Wilcken): Franziska Rattay, Alaaeldin Dyab und Maximilian Teschemacher in "Die Wurzel aus Sein"
1978 muss der kleine Talyani mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg aus dem Libanon fliehen. Wohin verschlägt sie der Zufall? Nehmen sie ein Flugzeug nach Rom oder nach Paris? In Wajdi Mouawads Stück entspinnen sich ausgehend von unterschiedlichen Fluchtmöglichkeiten der Familie Waqar Malik vier verschiedene Versionen ihres Schicksals: Talyani wird gefeierter Neurochirurg in Italien, bildender Künstler und Enfant terrible in Quebec, verurteilter Mörder in einer texanischen Todeszelle oder er bleibt doch als Inhaber eines Jeansladens in Beirut. Dort ereignet sich 2020 eine große Explosion, mit der sich die Frage nach einem im Libanon möglichen Leben erneut stellt. Die Geschichten fallen zunehmend ineinander und bilden eine große, serienähnliche Erzählung. Alle Figuren stehen an entscheidenden Momenten ihres Lebens, sie suchen nach Gesten des Muts und des Vergebens. Regisseur Moritz Sostmann bringt Mouawads rasantes wie philosophisches Stück mit Schauspieler* innen und Puppen in Münster zur Deutschen Erstaufführung.
Moritz Sostmann (*1969) studierte Puppenspiel an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Seit 2006 arbeitet er als freier Regisseur. Seither versucht er, das Puppenspiel mit den Mitteln des Schauspiels zu ergründen und umgekehrt. In seinen Inszenierungen treffen meist beide Genres gleichberechtigt aufeinander. Er inszenierte zuletzt u. a. Heiner Müllers Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande am Schauspiel Leipzig und Herzfaden am Staatstheater Wiesbaden. Sostmann war Hausregisseur am Puppentheater Magdeburg und am Schauspiel Köln sowie Gastdozent in Berlin und Salzburg. In Münster inszenierte er in der Spielzeit 23/24 „eine höchst poetisch-artistische Bühnenversion“ (F.A.Z.) von Serhij Zhadans INTERNAT.











