Foto (Marcel Guthier): Wendel Lima de Alcantara in AMOR / ABSICHT
In seiner letzten Premiere der Spielzeit 2025/26 wartet Tanz Münster mit einem zweiteiligen Programm auf, das tief in das Innerste der menschlichen Seele blickt. „Love is a smoke and is made with the fume of sighs“, so heißt es in Shakespeares berühmter Tragödie um Romeo und Julia. Mindestens ebenso bekannt ist das Sprichwort „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel“. Mit der Suche nach Liebe und nach dem Sinn des Lebens vereint AMOR/ABSICHT zwei zeitgenössische Tanzkreationen, die vor Emotionsgeladenheit, Individualität und Lebensfreude nur so sprühen.
Nachdem der international gefeierte spanische Choreograf Gustavo Ramírez Sansano bereits 2017 mit RECORTES in Münster zu Gast war, präsentiert er nun die deutsche Erstaufführung von EL AMOR. Sansanos Choreografie involviert neben dem Tanz auch Sprache und Gesang. Damit wird eine farbenreiche Palette an Gefühlswelten offenbart. Zusammen mit seinem langjährigen Kreativpartner Luis Crespo, der mehrfach mit dem Preis für darstellende Künste der Generalitat Valenciana für das beste Bühnenbild ausgezeichnet wurde, entwickelte Sansano eine vertanzte Liebeserklärung an das wohl vielseitigste Gefühl, das wir kennen. Kernelement der Szenografie zu EL AMOR ist Papier – ein Pars pro toto für die Liebe: Zerreißproben des Lebens ausgesetzt, kann beides knittern oder leidenschaftlich brennen. Im übertragenen Sinn bildet es, beschriftet mit Textphrasen, auch eine Referenz an die sozialen Medien, die heutzutage oftmals dazu dienen, sich mittels digitaler Personenprofile auf die Suche nach unterschiedlichen Formen von Liebe in der analogen Welt zu begeben.
Stets von der Musik ausgehend, choreografiert Lillian Stillwell dieses Mal mit Rockmusik. LAND OF LAKES nutzt Fragmente aus Studiosessions sowie Lieder von den Bands „Why Not“ und „Coach Said Not To“ aus ihrem Heimatort Minnesota, dem „Land der 10.000 Seen“. Das Stück stellt die Fragen: Wie werden wir zu dem, was wir sind? Welche Spuren hinterlassen wir – und welche werden mit der Zeit verwischt? Die Choreografie vereint Tanz mit fortwährenden Aktionen, wobei die Tänzer*innen den Bühnenraum anhand von Materialien – Farbe, Objekten und Wasser – aktiv gestalten. Damit wird ein ästhetisches Spannungsfeld zwischen dem Dauerhaften und dem Flüchtigen geöffnet. Ausstatterin Susanne Boner schafft dafür eine bunte Welt voller Kontraste und Lebensfreude, mit immer wieder hervorblitzenden Akzenten der individuellen Persönlichkeiten des divers aufgestellten Ensembles.











