Foto (Stoess): Ensemble von A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM
Nach zwei Opernpremieren, bei denen ein „magischer“ Liebestrank als Ausgangspunkt für das Zusammenfinden der Liebespaare diente, ist das Mystische und Magische der nächsten Musiktheaterpremiere am THEATER MÜNSTER ein echter Chaosagent der Liebe. Denn in A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM philosophiert Benjamin Britten nicht über die metaphysische Essenz der Liebe oder über die lustigen und unerwarteten Wege, die zu ihr führen, sondern hinterfragt diese romantische Liebe aus seiner Perspektive als homosexueller Mann in der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Ist sexuelles Begehren mit dem Traum ewiger Treue vereinbar? Und wenn ja, wie? Die Suche nach Antworten darauf ist der gemeinsame Nenner aller vier ansonsten sehr unterschiedlichen Handlungsstränge in Shakespeares zeitloser Komödie Ein Sommernachtstraum: Shakespeares im zauberischen Feenreich angesiedelte festliche Komödie entpuppt sich als spielerisch zündelndes Nachdenken über die Abgründe menschlicher Sexualität und über die Ehe als Institution, die diese einhegen und erträglich machen soll.
Theseus, Hippolyta, Hermia, Lysander, Helena und Demetrius – alle wollen heiraten. Doch kurz vor dem „Jawort“ brodelt im Unterbewusstsein die Unsicherheit: Ist dies die richtige Entscheidung? Das übernatürliche Paar Titania und Oberon, die schon seit Ewigkeiten zusammen sind, machen sich über diese menschliche Ungewissheit lustig, sind jedoch selbst von Eifersucht und Liebesgefühlen gekränkt. Um Titania einen Streich zu spielen, beauftragt Oberon seinen Helfer Puck, einen Zaubertrank zuzubereiten, der Liebe auf den ersten Blick auslöst. Bald verlieben sich die falschen Menschen ineinander, und selbst eine Gruppe von Handwerkern, die ein Theaterstück probt, gerät in den Strudel des Zaubers.
Unter der musikalischen Leitung des Generalmusikdirektors Golo Berg führt Brittens Musik die Zuschauerinnen und Zuschauer durch eine akustische Erzählstruktur. Jedem der vier Handlungsstränge weist er eine eigene musikalische Farbe zu; die heimlichen Verbindungen dazwischen werden erst beim Wiederhören deutlich. Für die Feenwelt findet er berückend schöne bitonale Klänge; der geschlechtlich ambivalente Feenkönig Oberon ist die erste im 20. Jahrhundert für Countertenor komponierte Opernpartie. Bei der finalen Aufführung der sogenannten Handwerker zitiert und parodiert er gekonnt Operntraditionen.
Die Inszenierung verantwortet Komödienspezialistin Cordula Däuper, die am THEATER MÜNSTER zuletzt Verdis Rigoletto inszenierte. Ihre Partnerin ist erneut Sophie du Vinage, die nicht nur fantasievoll-ironische Kostüme, sondern auch eine Bühne entworfen hat, die mit den spielerischen Mitteln des Theaters die Grenzen von Realität, Kunst und Traum verwischt. Shakespeares Feenwald wird zum moosbedeckten Erfahrungsraum voller Versatzstücke aus Theatertradition und Realität, der den Figuren und uns im Zuschauerraum Einblicke ins kollektive Unterbewusste gewährt.











