Fotos (LSB NRW/ Andrea Bowinkelmann): Prof. Dr. Nils Neuber zur Region Rhein-Ruhr um Köln als Zentrum der Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044
In wenigen Wochen fällt die Entscheidung, welcher Bewerber für Deutschland international als Kandidat für die Ausrichtung Olympischer Spiele 2036, 2040 oder 2044 ins Rennen gehen wird. Im Rennen sind neben München und Berlin auch die Region Rhein-Ruhr um Köln als Zentrum der Bewerbung. Prof. Dr. Nils Neuber, Leiter des Arbeitsbereichs Bildung und Unterricht im Sport am Institut für Sportwissenschaft der Universität Münster, Sprecher des Forschungsverbundes Kinder- und Jugendsport NRW und Vizepräsident Kinder- und Jugendsport im Willibald Gebhardt Institut Münster spricht im Interview mit Dein Münster über seine olympische Vision Rhein-Ruhr, speziell für den Kinder- und Jugendsport.

Herr Professor Neuber, im Moment sind mit Blick auf die deutschen Bewerbungs-Kampagnen viele Menschen im Olympia-Fieber, gerade bei uns in NRW. Sie auch?
Na ja, Fieber vielleicht nicht gerade. Aber es ist schon ein ziemlich spannendes Ereignis, wenn am 26. September die außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB entscheidet, mit welcher Region Deutschland in die Olympiabewerbung geht. Und ich würde mich sehr freuen, wenn sich die Delegierten für die Region „KölnRheinRuhr“ entscheiden!
Warum würde Sie die Entscheidung freuen?
Zunächst wäre das natürlich ein Riesending, wenn wir die Olympischen und Paralympischen Spiele tatsächlich mal nach Nordrhein-Westfalen bekämen. Immerhin ist dies das weltweit größte Sportereignis! Aber ich würde mich auch über den Rückenwind für den Sport insgesamt freuen – für den Schulsport, den Vereinssport, den Breitensport, den Sport der Älteren. Sprich für alle gesellschaftlichen Schichten und über alle Generationen hinweg.

Sie sind Sprecher des Forschungsverbunds Kinder- und Jugendsport NRW und Vizepräsident Kinder- und Jugendsport im Willibald Gebhardt Institut. Was erhoffen Sie sich für Kinder und Jugendliche durch die Olympiabewerbung?
Bewegung, Spiel und Sport gehören nach wie vor zu den häufigsten und beliebtesten Freizeitaktivitäten von Heranwachsenden. Zugleich erreichen viele Kinder und Jugendliche heute nicht mehr die Mindestanforderungen der WHO von einer Stunde Bewegungszeit täglich. Das heißt, bei aller Begeisterung vieler junger Menschen für den Sport ist hier noch viel Luft nach oben. Insofern erhoffe ich mir durch die Olympiabewerbung mehr Aufmerksamkeit, mehr Programme und letztlich auch mehr Mittel für den Kinder- und Jugendsport.
Was heißt das konkret?
Wir haben bereits im Oktober 2025 ein Positionspapier zur Olympiabewerbung mit dem Titel „Olympische Vision Rhein-Ruhr: Zukunft beginnt im Kindesalter“ veröffentlicht. Darin haben sich alle acht sportwissenschaftlichen Einrichtungen aus Nordrhein-Westfalen gemeinsam für die Olympiabewerbung ausgesprochen und die Bedeutung für den Kinder- und Jugendsport herausgestellt. Dazu gehören die Sicherung des Sportunterrichts in den Schulen und eine stärkere Verankerung von Bewegung im Schulalltag im Sinne einer Bewegten Schule. Dabei sollten immer auch Vielfalt, Inklusion und Teilhabe mitgedacht werden. Daneben sind aber auch infrastrukturelle Verbesserungen im kommunalen Raum dringend erforderlich.
Was wäre der Beitrag der Wissenschaft in diesem Prozess?
Aus wissenschaftlicher Perspektive haben wir die Bedeutung eines systematischen Monitorings hervorgehoben. Wir wissen immer noch viel zu wenig über das konkrete Bewegungs- und Sportverhalten von Kindern und Jugendlichen – obwohl unstrittig ist, dass das für ein gesundes Aufwachsen evident wichtig ist. In Zusammenarbeit mit der Staatskanzlei NRW und dem Landessportbund NRW bereiten wir daher ein Handlungsprogramm Kinder- und Jugendsport vor, in dem wir u.a. einen Bewegungsbericht NRW zusammenstellen, der die vorhandenen Daten in diesem Feld bündelt. Auf dieser Basis können wir dann gemeinsam entscheiden, welche Daten noch fehlen. Z.B. wissen wir wenig über die Bewegungsangebote in Ganztagsschulen. Vor dem Hintergrund des Rechtsanspruchs auf ganztägige Förderung ist das ein Unding!
Was würde passieren, wenn sich die Mitgliederversammlung des DOSB nicht für die Rhein-Ruhr-Region entscheidet?
Das wäre natürlich sehr enttäuschend für die Menschen in NRW. Aber wir sollten uns nicht entmutigen lassen. Die Ziele, die im Olympiakonzept „KölnRheinRuhr“ formuliert sind, wären auch dann noch sehr wichtig. Wir sollten uns also trotzdem verstärkt für den Kinder- und Jugendsport in NRW engagieren. Jede Investition in den Kinder- und Jugendsport lohnt sich vielfach und ist immer eine Investition in die Zukunft unseres Landes!

Weitere Informationen
https://www.uni-muenster.de/Sportwissenschaft/Didaktik/
https://www.kiju-sport.nrw/WGI
https://www.wgi.de/de/
Zur Person
Prof. Dr. Nils Neuber ist Leiter des Arbeitsbereichs Bildung und Unterricht im Sport am Institut für Sportwissenschaft der Universität Münster. Er promovierte an der Deutschen Sporthochschule Köln, habilitierte dann an der Ruhr-Universität Bochum. Er ist Vorsitzender des Centrums für Bildungsforschung im Sport (CeBiS) und Sprecher des Forschungsverbundes Kinder- und Jugendsport NRW sowie Vizepräsident Kinder- und Jugendsport des Willibald Gebhardt Instituts. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen Bildungs- und Unterrichtsforschung, Individuelle Förderung und Aufgabenkultur, Ganztagsbildung und Demokratieförderung, Bildung von Sportlehrkräften und Weiterbildung im Sport. Neu erschienen ist von Prof. Neuber zuletzt im Waxmann Verlag das Buch „Bildung und Bewegung – Wie das Lernen in der Schule lebendiger wird“ – mit vielen Ideen für einen bewegten Schulalltag.











