22. April 2024 / Aus aller Welt

Erdbeben, Tsunami: Griechenland übt den Ernstfall

Die Mittelmeer-Anrainer sind Erdbeben gewöhnt - doch wie reagiert der Staat, wenn es zum großen Wumms kommt? Das wollen die Griechen mit einer umfassenden Übung auf der Insel Kreta testen.

Eine zerstörte griechisch-orthodoxe Kirche nach dem Erdbeben im September 2021 im Süden der Insel Kreta.
Veröffentlicht am 22. April 2024 um 10:52 Uhr

Das Szenario: Ein starkes Erdbeben der Stärke 6,4 erschüttert die Stadt Chania auf der Insel Kreta, binnen 24 Stunden folgt ein weiteres der Stärke 7,3 in der Stadt Heraklion. Wohnhäuser und Schulen stürzen ein, in der Samaria-Schlucht kommt es zu Erdrutschen, Touristen sitzen fest. Der Tunnel wird geschlossen, Menschen sind in ihren Autos eingeschlossen, es folgt ein Tsunami.

Diese katastrophale Situation zu meistern, gehört zu der großangelegten Übung «Minos», mit der die griechischen Behörden am Montag und Dienstag auf Kreta den Ernstfall proben wollen, wie das Ministerium für Katastrophenschutz mitteilte.

Es gehe vor allem darum, Behörden, Rettern und Helfern, Polizei, Katastrophenschutz und allen anderen Beteiligten vor die größten Herausforderungen zu stellen, sagte Kostas Synolakis, Professor für Naturkatastrophen und Koordinator des Stresstests, in griechischen Medien. «Die Idee ist, dass die Übung scheitern muss, denn es geht darum, herauszufinden, wo der Staatsapparat nicht reagieren kann. Es geht darum, Lücken und Schwächen zu identifizieren.» 

Beim Szenario eines eingestürzten Schulgebäudes etwa: Wer rettet die Kinder, wer transportiert sie ins Krankenhaus, haben die Verletzten Vorrang bei der Behandlung, und wer informiert die Eltern? Bereits in der Vorbereitung seien die Verantwortlichen auf etliche Abstimmungslücken gestoßen, die es zu schließen gelte, berichteten griechische Medien.

Das Szenario wurde gut sechs Monate lang vorbereitet, um so real wie möglich zu sein - auch die Bürger sind eingebunden, sie erhalten Warn-SMS-Nachrichten, wie es sie in Griechenland seit mehreren Jahren gibt. Allerdings sind die Nachrichten mit dem Hinweis «Übung» versehen. Dennoch nehmen die meisten Menschen die Warn-SMS sehr ernst - denn auf Kreta bebt die Erde immer wieder.


Bildnachweis: © Harry Nakos/AP/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Fünftes naturkundliches Ehrenamtsforum
Bildung & Wissenschaft

Naturforschung im LWL-Museum für Naturkunde erleben

weiterlesen...
Coesfeld: 36-Jährige tödlich verletzt
Polizeimeldungen

Tatverdächtiger 43-jähriger Ehemann festgenommen / Polizei Münster richtet Mordkommission ein

weiterlesen...
Tag der Lebensmittelrettung am 26. September in Münster
Genuss & Lifestyle

foodsharing zeigt die Dimension der Verschwendung (ab 12 Uhr)

weiterlesen...

Neueste Artikel

Zwischen Hollywood und Wissenschaft: Wie authentisch ist unser Bild der Antike?
Bildung & Wissenschaft

Öffentliche Ringvorlesung beleuchtet ab dem 19. Oktober, wie Archäologie in der Gesellschaft vermittelt wird

weiterlesen...
Flugverkehr über Italien gestört
Aus aller Welt

Im italienischen Luftraum gibt es Probleme mit dem Datennetz. Die nationale Flugsicherung reduziert deshalb die Aktivitäten. Einen Hacker-Angriff oder Sabotage schließt sie aus.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Flugverkehr über Italien gestört
Aus aller Welt

Im italienischen Luftraum gibt es Probleme mit dem Datennetz. Die nationale Flugsicherung reduziert deshalb die Aktivitäten. Einen Hacker-Angriff oder Sabotage schließt sie aus.

weiterlesen...
Was vier Riesenspiegel auf der Insel La Palma suchen
Aus aller Welt

Ein Fehlalarm bei der Suche nach verbotenen Atomtests führte Wissenschaftler zu einem Signal aus dem All. Auf La Palma fangen nun vier riesige Spiegel ein schwaches blaues Leuchten ein. Was verrät es?

weiterlesen...