17. August 2020 / Allgemein

Kunst zum Lesen, Fühlen und Hören

LWL-Museum für Kunst und Kultur stellt Lesetasthörbuch vor

Veröffentlicht am 17. August 2020 um 17:00 Uhr

Münster (lwl). Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster lädt ab sofort zu ganz besonderen Begegnungen mit der Kunst des Museums ein. Das Lesetasthörbuch "Mensch!" gibt vor allem blinden und sehbehinderten Menschen die Möglichkeit, sich die Kunst des LWL-Museums lesend, tastend und hörend zu erschließen.

Sechs herausragende Werke im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) werden in kurzen Texten in Großdruck und Brailleschrift vorgestellt. Zu jedem Werk gibt es eine kontrastreiche Abbildung und ein Reliefbild mit den wichtigsten Elementen der Komposition. Zusätzlich zum Lesetasthörbuch können bei geführten Rundgängen sechs Platten aus Acrylglas genutzt werden, um den Bildaufbau noch deutlicher zu ertasten.

So können Menschen mit Restsehvermögen zum Beispiel das Selbstporträt Paula Modersohn-Beckers anhand der weißen Umrisslinien auf dem kontrastreichen Abbild besser erkennen. Blinde Menschen können die erhabenen Linien entlang tasten und damit die Konturen des Gesichtes, den Mund, die Augen, Frisur und den Bildaufbau erfühlen und somit das Bild "begreifen".

Detailliertere Werkbeschreibungen sowie vertiefende Informationen zur Epoche und den einzelnen Künstler kann man auf der beiliegenden Audio-CD im Daisy-Multimedia-Format anhören. Das Buch wurde von der Kunstvermittlung des Hauses und einer Testgruppe von blinden und sehbehinderten Menschen aus Münster entwickelt.

"Für die LWL-Museen ist Inklusion eine Selbstverständlichkeit. Wir entwickeln immer neue Ideen, damit unsere Museen für alle Menschen erfahrbar sind", so LWL-Kulturdezernenten Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. So gibt es im LWL-Museum für Kunst und Kultur in allen Etagen Tastmodelle zur selbständigen Orientierung für blinde Men-schen. Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold: "Solche Bücher gibt es bisher noch viel zu selten. Das Buch lädt ein, die Kunst unserer Sammlung auf besonders 'sinn-volle' Weise zu entdecken."

Tastbücher in Museen und Kultureinrichtungen, mit denen man kunst- und kulturhistorische Inhalte vermittelt, sind noch sehr selten. Es gibt vereinzelt Architekturführer zum Tasten, z.B. für den Kölner Dom. Taktile Museumsführer für blinde und sehbehinderte Menschen halten zum Beispiel das Staatliche Museum Schwerin und das Landesmuseum Mainz vor. Das LWL-Museum für Kunst und Kultur reiht sich nun ein in die sehr überschaubare Anzahl von Lesetasthörbüchern.

Das Zustandekommen ist eine Herausforderung für die graphische Technik. Jede Buchseite wird zunächst klassisch mit Farbe und Großbuchstaben bedruckt. In mehreren Arbeitsschritten werden dann weitere Schichten Lack für die Brailleschrift und für die Relieflinien aufgetragen. Wenn diese getrocknet sind, werden sie per Hand zu einem Buch zusammengefasst: eine aufwendige und kostspielige Produktion.

Das Lesetasthörbuch können Interessierte beim Ausstellungsbesuch an der Kasse des Museums ausleihen. Zusätzlich können Rundgänge für blinde und sehbehinderte Menschen mit dem Tastbuch individuell gebucht werden. Das umfangreiche inklusive Angebot ist im aktuellen Jahresflyer "Museum für alle Sinne" zusammengefasst, der an der Museumskasse ausliegt.

LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (1. v. r.) stellte das Lesetasthörbuch zusammen mit der Testgruppe und dem Team des LWL-Museums für Kunst und Kultur vor. (Das Foto wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen.)
Foto: LWL / Hanna Neander

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