5. Juli 2026 / Politik

Münsterländer Kornbrennereien mit Brandbrief gegen Steuererhöhungen

Brennereien aus dem Münsterland wenden sich mit einem offenen Brief an die Bundestags- und Landtagsabgeordneten der Region.

Foto v.l.n.r.: Irene Tiggemann (Brennerei Northoff), Johann Heinrich Sallandt (Brennerei Sallandt), Andre Gerbermann (Kornbrennerei Gerbermann), Andrea Langemeyer (Kornbrennerei C. Langemeyer), Martin Schulze Rötering (Brennerei Schulze Rötering), Jutta Ashölter (Kornbrennerei Ashölter), Josef Rosche (Edelkornbrennerei Rosche), Dirk Böckenhoff (Kornbrennerei Böckenhoff), Klemens Geuker-Wiedemann (Brennerei Geuker Wiedemann). Hintere Reihe v.l.n.r.: Rüdiger Sasse (Feinbrennerei Sasse), Nicole Scharte (Destillerie Dwersteg), Silvia Geuker (Brennerei Geuker-Wiedemann), Leon Scharte (Destillerie Dwersteg). Nicht auf dem Foto: Magnus Geuting (Brennerei Geuting), Theo Brüggemann (Brennerei Eckmann), Jochen Horstmann (Erlebnisbrennerei Sendenhorst), Benedikt Böcker (Böcker Forstmannshof), Katharina Schwarze (Schwarze & Schlichte), Karin Knüver (Brennerei Beckmann).

Brennereien aus dem Münsterland wenden sich mit einem offenen Brief an die Bundestags- und Landtagsabgeordneten der Region. Die Allianz macht sichtbar: Hinter Korn stehen Familienbetriebe, Arbeitsplätze, Höfe, Landwirtschaft, Gastronomie und regionale Identität. Handwerkliche Brennkunst ist als Immaterielles Kulturerbe anerkannt – die Münsterländer Kornbrenner wollen dieses Erbe politisch schützen.

Münsterländer Kornbrennereien schließen sich in der „Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien“ zusammen und richten einen offenen Brief an die Abgeordneten aus dem Münsterland in Bund und Land. Ihr Appell: Die geplante Erhöhung der Alkoholsteuer darf nicht im technischen Kleingedruckten entschieden werden. Sie betrifft Familienbetriebe, Arbeitsplätze, landwirtschaftliche Lieferketten, Gastronomie, Tourismus und ein Stück westfälischer Identität.

Mit ihren Unterschriften machen die Betriebe deutlich: Hinter jeder Brennerei stehen Menschen vor Ort – Familien, Mitarbeitende, Auszubildende, landwirtschaftliche Partner, Händler, Gastronomen und Kunden. Was in Berlin oder Düsseldorf wie eine abstrakte Steuerfrage wirkt, entscheidet im Münsterland über Investitionen, Nachfolge, Ausbildungsplätze und die Zukunft einer gewachsenen Handwerkstradition.

Die handwerkliche Brennkunst ist als Immaterielles Kulturerbe anerkannt. Die Deutsche UNESCO-Kommission beschreibt sie als lebendiges Wissen und handwerkliches Können, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Neben Klein- und Obstbrennereien tragen ausdrücklich auch klein- und mittelständische Kornbrenner maßgeblich zur handwerklichen Brennkunst bei. In ihren Regionen prägen sie mit Brennereien und Anbauflächen das Landschaftsbild und bewahren eine lange gewachsene Destillationstradition.

„Wir wenden uns nicht aus Eigeninteresse an die Abgeordneten, sondern weil hier ein Stück Münsterland auf dem Spiel steht“, sagt Rüdiger Sasse, Sprecher der Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien. „Unsere Betriebe sind keine anonyme Industrie. Sie sind Arbeitgeber, Nachbarn, Ausbildungsorte, Abnehmer regionaler Landwirtschaft und Träger einer Kultur, die über Generationen gewachsen ist.“

Offener Brief: Abgeordnete sollen lokale Folgen sehen
Der offene Brief wird an die Bundestags- und Landtagsabgeordneten aus dem Münsterland verschickt. Die Allianz will den politischen Entscheidern damit zeigen, dass eine einseitige Belastung von Spirituosen nicht nur eine Branche trifft, sondern ganze regionale Wertschöpfungsketten: vom Getreide über Glas, Verpackung und Logistik bis hin zu Handel, Gastronomie und Tourismus.

Im Brief heißt es, die mittelständischen und familiengeführten Unternehmen seien seit Generationen in ihren Regionen verwurzelt, produzierten in Deutschland, sicherten Arbeitsplätze und schafften Wertschöpfung vor Ort. Eine zusätzliche Belastung könne viele Betriebe nicht ohne Weiteres über andere Märkte, Marken oder Getränkekategorien ausgleichen.

Warum die Allianz jetzt entsteht
Nach dem aktuellen Arbeitsstand der Allianz umfasst die betroffene Struktur im Münsterland 21 Unternehmen mit insgesamt rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es handelt sich überwiegend um kleine und mittlere Betriebe – familiengeführt, handwerklich geprägt und eng mit Landwirtschaft, Gastronomie, Tourismus, Handel und regionaler Wertschöpfung verbunden.

Die Allianz will diese lokale Betroffenheit sichtbar machen: durch den offenen Brief, regionale Pressearbeit, Betriebsbesuche von Abgeordneten sowie eine gemeinsame politische Linie. Jeder Betrieb soll vor Ort zeigen können, was eine einseitige Steuererhöhung konkret bedeutet – für Arbeitsplätze, Nachfolge, Investitionen und das Leben in den Gemeinden.

Konstruktiv statt Blockade
Die Allianz fordert keine Sonderbehandlung, sondern eine Steuerpolitik mit Augenmaß. Im Mittelpunkt stehen eine Begrenzung der Erhöhung, eine verbindliche Evaluation der Wirkung auf Konsum, Steueraufkommen und Arbeitsplätze sowie ein mittelstandsverträglicher Einführungstermin. Langfristig braucht Deutschland ein gleichmäßiges Alkoholsteuersystem nach dem Liter reinen Alkohol – und eine faire Gleichstellung von Korn im Alkoholsteuergesetz.

„Die Politik spricht gern von ländlichen Räumen, regionaler Wertschöpfung und Kulturerbe. Jetzt muss sie zeigen, ob diese Worte etwas wert sind“, so Sasse. „Man kann nicht erst das Handwerk als Kulturgut anerkennen und ihm kurz darauf die wirtschaftliche Grundlage entziehen.“


Hintergrund:
Die Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien steht für eine regional verwurzelte Branche mit erheblicher wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung. Nach dem aktuellen Arbeitsstand der Allianz umfasst die betroffene Struktur im Münsterland 21 Unternehmen mit insgesamt rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es handelt sich dabei ausnahmslos um kleine und mittlere Betriebe – überwiegend familiengeführt, handwerklich geprägt und eng mit Landwirtschaft, Gastronomie, Tourismus, Handel und regionaler Wertschöpfung verbunden. Die geplante einseitige Erhöhung der Alkoholsteuer trifft damit keine anonyme Großindustrie, sondern einen mittelständischen Branchenverbund, der im Münsterland Arbeitsplätze sichert, regionale Rohstoffe verarbeitet, Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten schafft und die historische Kornbrenntradition der Region lebendig hält.

Das könnte Dich auch interessieren

Destillerie Dwersteg
Unternehmen

Neueste Artikel

Studie: Bis zu 90 Unfalltote weniger bei Tempolimit
Aus aller Welt

Sollte die Geschwindigkeit auf Autobahnen begrenzt werden? Eine neue Studie beschäftigt sich mit dieser Frage und kommt zu einer eindeutigen Antwort.

weiterlesen...
Zwei Tote nach Schüssen bei Salsa-Festival in Toronto
Aus aller Welt

Menschen feiern bei einem lateinamerikanischen Festival ausgelassen auf der Straße. Plötzlich fallen Schüssen. Zwei Menschen sind tot und der oder die Täter auf der Flucht.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Oberbürgermeister Tilman Fuchs zeichnet Schauspielerin Carola von Seckendorff aus
Politik

Silbernes Rathaus für gesellschaftliches und kulturelles Engagement

weiterlesen...
Stadt erneuert Bremer Straße: Breitere Gehwege und 74 Fahrrad-Parkplätze
Politik

Leitungsarbeiten abgeschlossen / Umbau von Gehwegen und Fahrbahn bis Anfang 2027

weiterlesen...