22. Mai 2026 / Natur & Umwelt

Münsteraner Erbgut kehrt in die Natur Vietnams zurück

Auswilderungsprojekt des Allwetterzoos geht in die entscheidende Phase für die Wiederansiedlung des Edelfasans.

Foto (Allwetterzoo/Held): Edelfasanhenne mit zwei Küken.


Ein bedeutender Erfolg für den internationalen Artenschutz: Vor einer Woche ist eine Gruppe von 20 Edwardsfasanen nach einem Langstreckenflug sicher in Vietnam eingetroffen. Unter ihnen befinden sich die Nachkommen jener Vögel, die im Allwetterzoo Münster 2024 geschlüpft sind. Damit beginnt die entscheidende Phase für die Wiederansiedlung einer Art, die in ihrem ursprünglichen Lebensraum seit über zwei Jahrzehnten als verschollen gilt.

Die nächste Generation: Ein langfristiges Schutzprojekt
Die zwei, im Allwetterzoo Münster geschlüpften Edwardsfasane (Lophura edwardsi), wurden zur Vorbereitung in den Zoo Berlin überführt. Dort wurden Individuen aus verschiedenen europäischen Zoopopulationen gezielt zusammengeführt, um eine genetisch diverse und robuste Basis für das Projekt „Bring Back Blue“ zu schaffen.

Wissenschaftlich begleitete Ansiedlung vor Ort
Der Übergang aus der menschlichen Obhut in die Natur erfolgt nach strengen wissenschaftlichen Protokollen:

  • Quarantäne und Akklimatisierung: Die Vögel werden zunächst für vier Wochen in einer spezialisierten Station bei Vinpearl Safari Phú Quốc untergebracht, um sich unter tierärztlicher Aufsicht an die lokalen klimatischen Bedingungen anzupassen.
  • Aufbau einer lokalen Reserve: Ein Teil der Gruppe wird in das „Rare Pheasant Breeding Center“ überführt. Ziel ist der Aufbau einer stabilen Population vor Ort, deren Nachkommen schrittweise in geschützte Areale wie das Naturreservat Dong-Chau Khe Nuoc Trong entlassen werden.
  • Schutz des Lebensraums: Ranger*innen patrouillieren bereits in den Zielgebieten, um illegale Wilderei zu unterbinden und die Regeneration des tropischen Regenwaldes zu sichern.

Artenschutz als globale Gemeinschaftsaufgabe
„Dass die Nachkommen unserer Münsteraner Fasane heute vietnamesischen Boden berühren, ist ein Meilenstein für unsere Kuratorinnen und Tierpflegerinnen“, betont Marcel Alaze, Zoologischer Leiter und Artenschutzkurator im Allwetterzoo Münster. „Es ist das erste Mal, dass Tiere aus dem EAZA Ex-situ-Programm (EEP) für Edwardsfasane für ein Wiederansiedlungsprojekt in den ursprünglichen Lebensraum der Art überführt werden. Dies ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie wichtig das Populationsmanagement von hochbedrohten Arten in zoologischen Gärten ist, um eine gesunde Backup-Population für mögliche Wiederansiedlungen zu sichern.“

Isabel Seyrling, Kuratorin im Allwetterzoo Münster, ergänzt: „Dieses Mammutprojekt ist ein Paradebeispiel für den ‚One Plan Approach‘ der Weltnaturschutzunion IUCN. Hier arbeiten Zoologische Gärten, private Züchterinnen und Naturschutzorganisationen vor Ort Hand in Hand an einer gemeinsamen Strategie, um das Überleben einer Art sowohl in menschlicher Obhut als auch in ihrem ursprünglichen Lebensraum langfristig zu sichern.“ Durch diese enge Vernetzung geben die beteiligten Partnerinnen dem Edwardsfasan eine echte Zukunftsperspektive in der Natur.

Hintergrund: Warum verschwand der Edwardsfasan?
Einst war der Edwardsfasan (Lophura edwardsi) in den feuchten Regenwäldern Mittelvietnams beheimatet. Doch massive Eingriffe führten dazu, dass die Art seit dem Jahr 2000 nicht mehr gesichtet wurde und heute als in der Natur verschollen gilt. Eine Hauptursache für diesen dramatischen Rückgang ist der massive Verlust seines natürlichen Lebensraums, da große Waldflächen für die Landwirtschaft, den Ausbau der Infrastruktur sowie für Plantagenkulturen wie Kaffee und Kautschuk gerodet wurden. Zudem führte der Einsatz von Entlaubungsmitteln während des Vietnamkriegs zu einer weitreichenden Zerstörung der Waldökosysteme.

Neben diesen Faktoren stellt auch die illegale Jagd nach wie vor eine große Bedrohung dar, da Wildtiere weiterhin für den Handel, den Verzehr oder zu Trophäenzwecken gefangen werden. Das internationale Bündnis aus Wissenschaftler*innen und Naturschützer*innen arbeitet daher intensiv daran, diese Entwicklung umzukehren und die Art in ihrem ursprünglichen Lebensraum wiederanzusiedeln.

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