5. Juni 2026 / Natur & Umwelt

Letzte Rettung - Menschliche Obhut

Allwetterzoo Münster nimmt hochbedrohte Rio-Pescado-Harlekinkröten auf

Foto (Held): Im Allwetterzoo Münster verbringen die neuen Bewohner ihre Quarantäne bereits in dem neu eingerichteten Terrarium. Somit sind die Harlekinkröten ab sofort für die Besucher des Allwetterzoos im Aquarium zu sehen.


Ein starkes Signal für den globalen Amphibienschutz: Im Allwetterzoo Münster sind 15 Rio-Pescado-Harlekinkröten eingezogen. Die wissenschaftlich als Atelopus balios bezeichnete Art gilt als eine der seltensten Amphibien der Erde. Mit der Übernahme der Tiere baut der Allwetterzoo eine lebenswichtige Backup-Population hinter den Kulissen auf und unterstreicht damit die fundamentale Bedeutung des integrierten Artenschutzes.

Die Rückkehr einer Totgeglaubten
Die Rio-Pescado-Harlekinkröte, die eine Körpergröße von lediglich drei bis vier Zentimetern erreicht, ist in den südwestlichen Regenwäldern Ecuadors heimisch. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN wird sie als „vom Aussterben bedroht“ (CR) geführt – die letzte Stufe vor dem Aussterben in der Natur. Zeitweise galt die grünlich-gelbe, charakteristisch gefleckte Kröte bereits als vollständig ausgerottet: Nach einer Sichtung im Jahr 1995 blieb sie jahrelang unauffindbar, ehe Forscher sie 2010 an drei isolierten Standorten in ecuadorianischen Regenwäldern wiederentdecken konnten. Wegen ihrer extremen Gefährdung setzten die IUCN und die Zoological Society of London (ZSL) die Art bereits 2012 auf die Liste der 100 bedrohtesten Tierarten der Welt.

Eine Bedrohung, die keine Grenzen kennt
Die Hauptursache für den dramatischen Rückgang der gesamten Gattung der Harlekinkröten – auch Stummelfußkröten genannt – ist neben der klassischen Lebensraumzerstörung und Umweltverschmutzung ein unsichtbarer Killer: der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis). Dieser hochaggressive Erreger wurde durch menschlichen Einfluss weltweit verschleppt, befällt die Haut von Amphibien und verläuft in den meisten Fällen tödlich. Da der Pilz selbst in unberührten Regen- und Nebelwäldern vordringt und dort zu einem flächendeckenden Sterben führt, stoßen klassische In-situ-Schutzmaßnahmen wie die reine Ausweisung von Naturschutzgebieten an ihre Grenzen.

Backup-Population als einzige Überlebenschance
Da die Bestände in Ecuador kontinuierlich weiter zurückgehen, liegt die letzte Hoffnung für das Überleben der Art in der gezielten Erhaltungszucht. Um dem drohenden Aussterben entgegenzuwirken, etablierten ecuadorianische Forscher des Centro Jambatu in Quito ein Sicherheitsnetzwerk in menschlicher Obhut. An diesem Verbund ist auch die Initiative „Citizen Conservation“ maßgeblich beteiligt, aus deren Zuchtnetzwerk die 15 Münsteraner Individuen stammen.

Wichtigkeit der Reserve-Haltung
„Wir freuen uns außerordentlich, diese akut vom Aussterben bedrohte Amphibienart fortan in unserem Zoo pflegen zu dürfen. Dank koordinierter Zuchtprogramme in menschlicher Obhut ist es bereits gelungen, die Bestände der Harlekinkröte spürbar zu stabilisieren. Unser erklärtes Ziel ist es nun, an diesen Erfolg anzuknüpfen: Durch eine gezielte Nachzucht vor Ort wollen wir einen maßgeblichen Beitrag zur langfristigen Erhaltung dieser faszinierenden Art leisten und die weltweite Population nachhaltig stärken.“ – Marcel Alaze, Zoologischer Leiter und Artenschutzkurator im Allwetterzoo Münster.

Gelebter „One Plan Approach“: Zoos und Privathalter Hand in Hand
Das Projekt ist zudem ein Paradebeispiel für moderne, partnerschaftliche Artenschutzstrategien im Sinne des One Plan Approaches. Da die Kapazitäten in wissenschaftlich geleiteten Zoos limitiert sind, bringt Citizen Conservation Zoos und fachlich versierte Privathalter zusammen. Letztere verfügen oft über das nötige Spezialwissen, den Platz und die Zeit, um anspruchsvolle Kleinstarten erfolgreich zu vermehren. Dieses Ineinandergreifen von institutioneller und privater Expertise sichert das genetische Überleben hochbedrohter Arten langfristig.

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