Foto (Stöß / Theater Münster): Ensemble "La Traviata"
Violetta Valéry ist eine wohlhabende Pariser Kurtisane, die das Leben in vollen Zügen genießt. Die hohe Pariser Gesellschaft vergnügt sich selbstvergessen auf ihren Festen, reiche Adlige buhlen um sie. Doch eine bürgerliche Existenz ist ihr als traviata – italienisch für die vom rechten Weg Abgekommene, als „gefallene Frau" – nicht vergönnt. Als Violetta sich in Alfredo verliebt, scheint ein neues Leben möglich. Sie löst ihr Vermögen auf, um ein abgeschiedenes Liebesnest auf dem Land zu finanzieren. Doch das idyllische Glück währt nur kurz. Als Alfredos Vater Violetta dazu drängt, die Beziehung zu beenden, um den Ruf seiner Familie zu schützen, fügt sich Violetta und kehrt nach Paris zurück. Alfredo, der nichts von den wahren Gründen der Trennung weiß, sucht sie auf einem Fest auf und demütigt sie in einem Ausbruch von Wut vor allen Gästen. Verlassen und allein ergibt sich Violetta schließlich ihrer Schwindsucht, die sie schon lange begleitet. Alfredos Vater, von Gewissensbissen geplagt, offenbart seinem Sohn die Wahrheit. Alfredo eilt nach Paris zurück, um Violetta in ihren letzten Stunden um Vergebung zu bitten.
Der Roman „Die Kameliendame" von Alexandre Dumas d. J. wurde vor allem durch die Bühnenfassung des Autors zu einem großen Erfolg. Der Roman beginnt – wie auch die Inszenierung – am Friedhof, wo der trauernde Protagonist sich an das Leben der Edelkurtisane Marguerite Gautier erinnert. Die teilweise autobiografische Geschichte stellt eine von der Gesellschaft ausgegrenzte Frau in den Mittelpunkt. Giuseppe Verdi, der selbst eine gesellschaftlich umstrittene Beziehung mit der Sängerin Giuseppina Strepponi führte, fühlte sich der Geschichte unmittelbar verbunden und verwandelte Dumas' Drama in eine Oper. Trotz des Skandals, den die Uraufführung mit einer Kurtisane als Hauptfigur auslöste, wurde La Traviata bald zu einer der meistgespielten Opern weltweit. Mit einer intimen Tonsprache und ergreifenden Melodien zeichnet Verdi das Porträt einer außergewöhnlichen Frau, die – obwohl von der Gesellschaft verstoßen – mit dieser Oper unsterblich wurde.
In der Inszenierung von Georg Schütky wird Violettas Geschichte aus einer besonderen Perspektive erzählt: Erika (Irene Kugler), die Friedhofsgärtnerin, die sich um Violettas Grab kümmert, begleitet das Publikum durch ihre Erinnerungen an das tragische Leben von Violetta Valéry. Mit zusätzlichen Sprechtexten von Angelika Reitzer bringt Erika eine zusätzliche weibliche Perspektive in Verdis bewegende Musik – getragen von Zugewandtheit, Fürsorge und Empathie. Die Ausstattung von Christina Schmitt schafft dabei einen surrealen Raum zwischen Realität und Erinnerung und macht Violettas persönliche Sicht auf die Ereignisse spürbar. Violetta wandelt traumartig durch eine von Krankheit durchsetzte Landschaft, in der die Gesellschaft mal gefräßig, mal bigott erscheint, bis sie schließlich in einer besonderen Art von Sanatorium ihrem Tod begegnet. Zum Leben erweckt wird die Oper vom Ensemble des Theater Münster und dem Sinfonieorchester Münster unter der musikalischen Leitung von Henning Ehlert. In den Hauptpartien sind Robyn Allegra Parton als Violetta, Garrie Davislim als Alfredo und Johan Hyunbong Choi als Giorgio Germont zu erleben.












