28. September 2024 / Kunst & Kultur

Kalter weißer Mann: Gendersternchen crasht Trauerfeier

Wolfgang Borchert Theater mit erfrischender Gesellschaftssatire in zwei Akten vom Erfolgsduo Dietmar Jacobs & Moritz Netenjakob

Fotos (Laura Ritter): Tara Oestreich und Gregor Eckert


Gernot Steinfels, Chef einer Unterwäschefirma, ist mit 94 Jahren friedlich entschlafen. Die Vorbereitungen zur Trauerfeier eskalieren. Grund für den Zwist am Schlummerbunker: Der Text auf der Trauerschleife des Unternehmens: In tiefer Trauer – Die Mitarbeiter. Aber: Was ist mit den Mitarbeiterinnen?

Mit unglaublicher Wortakrobatik und rasantem Wortwitz lässt das erfolgreiche Autoren-Duo („Extrawurst“, 2019 im WBT: https://www.dein-ms.de/extrawurst--spiel-satz-und-sieg-fuer-wbt „Mord mit Aussicht“ im TV) den Boomer Horst Bohne (großartig machtgierig und sich dabei selbstverbiegend dargeboten von Gregor Eckert) auf die nachfolgenden Genationen XYZ prallen. Genüßlich werden sämtliche Aufreger der woken Community im Diskurs-Topf hochkocht: LGBTQIA, Rassismus, kulturelle Aneignung, Sexismus, Body-Shaming, Me-Too und Machtmissbrauch.

In schönster Schauspielkunst entsteht eine hitzige Diskussion zwischen den Trauergästen. Der angehende Chef Horst Bohne hat bald sowohl die Marketing-Leiterin Alina Bergreiter (Tara Oestreich mit selbstbewußt geistreichem Auftritt; zwar mit Gespür für Gendergerechtigkeit, aber in puncto Machtmissbrauch ihrem cis-männlichen Gegenspieler in Nichts nachstehend) und ihren Assistenten Kevin Packert (mit einem herrlich femininen unterwürfigem Niclas Kunder) als auch die Praktikantin Kim Olkowski (Katharina Hannappel als jugendlich toughe Nervensäge, die sich kaum im Arbeitsleben schon um ihre Work-Live-Balance sorgt) gegen sich und steht am Pranger, vor dem ihn nicht mal der Pfarrer Herbert Koch (Florian Bender als gütiger, auf Zeitplan und Korrektheit besonnener Mann Gottes) bewahren kann. Zu guter Letzt steht auch noch die naiv-treue Sekretärin Rieke Schneider (Ivana Langmajer mit gewohnt souveränem, präzisem Spiel und einer unglaublichen Gesangseinlage zum Schluß) gegen ihn.

Die Komödie aus der Feder der Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob zeigt die Scharfzüngigkeit der gesellschaftlichen Diskurse über das Gendersternchen und die Gleichberechtigung von allen Seiten, ohne am Ende der einen oder anderen Partei Recht zu geben. Der Schluß des Stückes fällt allerdings ab, wenn sich die Protagonisten grundlos versöhnen und Einsicht für die Positionen der Gegenseite zeigen.


Inszenierung | Andrea Krauledat
Bühne_Kostüme | Elke König
Dramaturgie | Laura Ritter, Tanja Weidner
Besetzung | Florian Bender, Gregor Eckert, Katharina Hannappel, Ivana Langmajer, Niclas Kunder, Tara Oestreich 

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