13. November 2021 / Allgemein

Hubschraubereinsatz im Botanischen Garten

Blutbuche musste aufgrund eines Pilzbefalls gefällt werden

Blutbuche

 

Fotos (WWU - MünsterView): Ein Hubschrauber war seit den frühen Morgenstunden im Einsatz, um den tonnenschweren Baum abzutransportieren


Es war ein außergewöhnlicher Einsatz, der trotz der tonnenschweren Last viel Feingefühl verlangte: Experten der „Baumpflegezentrale“ und eines Schweizer Flugunternehmens haben im Botanischen Garten der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster eine 166 Jahre alte und 31 Meter hohe Blutbuche mithilfe eines Hubschraubers gefällt und in Einzelteilen abtransportiert. Infolge verschiedener Umwelteinflüsse wie Stürme und Dürreperioden hatte sich der Baum mit dem Brandkrustenpilz infiziert. In den vergangenen Monaten waren bereits mehrere große Äste abgestürzt – die Fällung war somit zwingend notwendig. Der Einsatz begann kurz nach Sonnenaufgang und endete am frühen Nachmittag.

„Der Pilz hat sowohl das Splint- als auch das Kernholz angegriffen“, betonte Dr. Dennise Stefan Bauer, Kustos und Technischer Leiter des Botanischen Gartens. Bei den Abbrüchen mehrerer tonnenschwerer Äste sei glücklicherweise niemand zu Schaden gekommen, zuletzt habe man nur unter massivem Einsatz von technischen Hilfsmitteln weitere Abbrüche verhindert. „Der Baum war aber trotz aller Bemühungen nicht mehr zu retten – er wäre zu einem unkalkulierbaren Zeitpunkt zusammengebrochen“, erklärte der Botaniker. Pro Jahr kommen über 200.000 Besucher in den Garten und erfreuen sich an den mehr als 6.000 Pflanzenarten und Cultivaren.

Gegen 7.30 Uhr startete der Pilot mit seinem Hubschrauber vom Typ Kaman K-Max K‑1200 in den winterlich-klaren Himmel und flog den Baum an. In diesem befanden sich bereits die Schweizer Spezialkletterer, die die Buche am Vortag mit Seilen und Markierungen präpariert und die einzelnen Arbeitsschritte detailliert besprochen hatten. Über der Blutbuche schwebend, wurde der Lastenhubschrauber über ein 80 Meter langes Stahlseil mit einzelnen Kronen- und Stammstücken verbunden. Die Kletterer trennten diese vom Stamm, und der Pilot flog die etwa zwei Tonnen schweren Segmente zu einem Ablageort im Schlossgarten. Mehrere Mitarbeiter schafften dort im Akkord die Teile weg, um den Platz für den nächsten Anflug freizumachen. Mit schwerem Gerät wurden die Baumteile schließlich zerkleinert und abtransportiert. „Aufgrund der besonderen Umgebung im Botanischen Garten, der nur schwer zugänglich ist, und dem schützenswerten Lebensraum, der die Blutbuche umgibt, war dieses Vorgehen notwendig und im Vergleich zu anderen Maßnahmen, beispielsweise per Kran, leichter und kostengünstiger zu realisieren“, erklärte Björn Dewitt, Koordinator des Einsatzes und Geschäftsführer der Baumpflegezentrale, die auf Baumpflege und -fällung spezialisiert ist.

Nach rund sieben Stunden, 49 Flügen, drei Betankungen und schwerer körperlicher Arbeit war der Einsatz, der viele Blicke auf sich zog, beendet. Insgesamt wurden 71 Tonnen Baummaterial weggeflogen. Übrig bleibt ein etwa eineinhalb Meter hoher Stumpf der Blutbuche, der zusammen mit seinen Wurzeln an den imposanten Baum erinnern und zum Lebensraum für Tiere und Pilze werden wird. Welche emotionale Bedeutung der hölzerne Riese für den Garten und seine Mitarbeiter hatte, war an den Tränen zu sehen, die während der Fällung vergossen wurden. Dr. Dennise Bauer ist bei aller Wehmut froh, dass der Einsatz gut verlief. „Die Bedingungen waren ideal. Das Zusammenspiel des Piloten und der Arbeiter aus der Schweiz mit den Partnern der Baumpflegezentrale aus Greven funktionierte reibungslos – das war tolle Arbeit aller Beteiligten, denen wir herzlich danken“, unterstrich der Verantwortliche des Gartens.

Spendenaufruf
Die Blutbuche war Teil des sogenannten Kalkbuchenwaldes, einer der naturnah gestalteten Lebensräume im Garten mit einer charakteristischen Strauch- und Krautschicht. „Mit der Blutbuche verliert der Botanische Garten eines seiner Wahrzeichen. Nach dem Wegfall der Beschattung durch die dicht belaubte Buche ist der begleitende typische Unterwuchs massiv gefährdet“, betont Prof. Dr. Kai Müller, Direktor des Gartens. „Daher möchten wir in den kommenden Wintermonaten einen möglichst großen Ersatzbaum pflanzen.“ Damit dies gelingt, bittet der Fördererkreis des Botanischen Gartens um Spenden. „Wir hoffen sehr, dass uns viele Bürger dabei helfen, denn nur so wird es uns gelingen, diesen faszinierenden Lebensraum zu erhalten“, erklärt Claus Dapper, Vorsitzender des Fördererkreises. Die Bankverbindung lautet: Sparkasse Münsterland Ost / Stichwort „Blutbuche“ / IBAN: DE 88 4005 0150 0135 3762 34.

 

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