7. Februar 2022 / Allgemein

Gerhard Richter feiert 90. Geburtstag

Richter schenkte Münster Installation „Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel“

Doppelspiegel

Foto (Stadt Münster, Amt für Kommunikation): Das "Richter-Pendel" in der Dominikanerkirche ist seit seiner Installation ein Besuchermagnet.


Am 9. Februar wird Gerhard Richter 90 Jahre alt. Oberbürgermeister Markus Lewe gratulierte dem weltweit hochgeschätzten Künstler und dankte ihm nochmals für das Geschenk von Weltrang, das er der Stadt Münster gemacht hat. Die Installation "Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel" sei längst in den Herzen der Münsteranerinnen und Münsteraner fest verankert und ein Muss für die Besucherinnen und Besucher der Stadt. Das Werk ist seit 2018 in der Dominikanerkirche an der Salzstraße zu sehen.

Während seiner künstlerischen Laufbahn bereitete der Künstler, der von 1971 bis 1993 Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf war, dem Verhältnis von Malerei und Wirklichkeit neue Wege, erprobte praktisch alle aktuellen Ausdrucksformen und Stile der modernen Malerei. Zwischen fotobasierten Gemälden und abstrakten Arbeiten sprengte Richter die Grenzen des Mediums Malerei und erinnert im Zeitalter allgegenwärtiger digitaler Bilder an die Wichtigkeit und Dringlichkeit malerischer Bildprozesse.  

2018 realisierte Gerhard Richter, begleitet von Münsters Kulturdezernentin Cornelia Wilkens und ihrem Team der Kunsthalle Münster, seine große Installation "Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel" in der Dominikanerkirche in Münster. Dieses Geschenk des bedeutenden deutschen Künstlers an die Stadt ist eines seiner letzten "großen" Werke. Im September 2020 gab Richter bekannt, den Pinsel aus der Hand zu legen.

Den Mittelpunkt der Installation bildet ein Foucaultsches Pendel, das aus einer Metallkugel besteht, die mit einem gut 28 Meter langen Edelstahlseil in der Vierungskuppel der barocken Kirche befestigt ist, sowie einer kreisrunden skalierten Bodenplatte aus Grauwacke, an der sich die Erdrotation ablesen lässt.
Inspiriert wurde Richter von dem Pendelversuch des französischen Physikers Léon Foucault. 1851 fand dieser heraus, dass sich die Fläche unter einem freischwingenden Pendel langsam dreht. Da die Schwerkraft nur senkrecht wirkt, wurde klar, dass sich nicht das Pendel bewegte, sondern der Boden. Dieser so einfach wirkende Versuch wird in Gerhard Richters Installation von zwei paarweise angebrachten grauen Glasbahnen flankiert – ein Material, mit dem der Künstler seit den späten 1960er Jahren arbeitet. Die beiden Doppelspiegel verbinden sich auf besondere Art mit dem Gebäude, das nach Entwürfen Lambert Friedrich Corfeys im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts errichtet wurde. Sie bewegen sich zwischen Malerei, Skulptur, Architektur und Tableau Vivant – einem Bild, das durch lebende Personen ergänzt wird – denn alles was zwischen den Doppelspiegeln passiert, wird unweigerlich ins Werk einbezogen.

Nach einer längeren Schließung anlässlich der Sanierung der Dominikanerkirche, bei der die Akustik in der frühbarocken Basilika deutlich verbessert, der kunsthistorisch bedeutende Altar komplett restauriert und das Gebäude mit einer modernen Infrastruktur ausgestattet wurde, ist diese seit Dezember wieder für die Öffentlichkeit geöffnet. Auch die Installation "Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel", die während der Umbauarbeiten abgebaut war, kann seitdem mittwochs bis sonntags zwischen 11 und 18 Uhr wieder besucht werden. Jeden dritten Sonntag im Monat finden jeweils um 11.30 und 12 Uhr öffentliche Führungen durch die Dominikanerkirche statt. Die Teilnahme an den Führungen ist kostenfrei. Anmeldung unter: www.kunsthallemuenster.de/de/sammlung/gerhard-richter-zwei-graue-doppelspiegel-fur-ein-p/  

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