3. Juni 2024 / Kunst & Kultur

Droste-Preisträgerin liest im Theatertreff

Anne Weber ist am Donnerstag, 6. Juni zu Gast im Theatertreff des Theater Münster.

Weber
Veröffentlicht am 3. Juni 2024 um 16:38 Uhr

Illustration (Sarah von der Heide): Autorin und Übersetzerin Anne Weber.


Anne Weber, die Preisträgerin des diesjährigen Annette-von-Droste-Hülshoff-Preises, ist am Donnerstag, 6. Juni zu Gast im Theatertreff des Theater Münster. Um 20 Uhr liest sie aus ihrem neuen Roman „Bannmeilen“. Tickets sind für neun Euro und ermäßigt sechs Euro über das Theater Münster erhältlich.

Wo die Stadt aufhört und die Vorstadt anfängt, ist in Paris klar markiert durch den Boulevard périphérique, den äußeren Stadtring, den zu überschreiten Anne Webers Erzählerin bisher kaum in den Sinn gekommen ist. Denn was gibt es in den verruchten Banlieues, außer einem Geflecht aus Schienen, Schnellstraßen und Autobahnen? Lagerhallen, gewaltige Supermärkte, Baustellen und dazwischen eingeklemmt Millionen von Menschen, notorische Not, Gewalt und Armut? 
Als ihr alter Freund Thierry ihr jedoch vorschlägt, ihn für einen Film durch die Vorstädte des Départments Seine-Saint-Denis zu begleiten, die vor den Olympischen Spielen 2024 einem tiefgreifenden Wandel unterzogen werden, muss sie sich eingestehen, dass sie für die nächste Nähe jahrzehntelang blind gewesen ist. Da sind zum Beispiel der von Schrotthalden umgebene muslimische Friedhof von Bobigny, auf dem ein algerischer Olympiasieger der 1920er-Jahre begraben liegt; die beiden kreisrunden Sozialwohnungsbauten von Noisy-le-Grand, die einander wie gigantische Camemberts gegenüberstehen; und tausend andere von Kolonialismus und Leid, von Hoffnung und Fortschritt erzählende Orte. Und auch Thierry selbst entpuppt sich mit der Zeit als Teil dieser widersprüchlichen, ihrem Blick bislang verborgenen Welt.

Mit leisem Witz und großer Beobachtungsgabe öffnet sich Anne Weber in Bannmeilen dem Unvertrauten und Anderen mitten unter uns und entwirft nicht nur das Bild einer komplexen Freundschaft, sondern zugleich die Geschichte einer vielschichtigen Gesellschaft in der so noch nicht gesehenen Vorstadt der Liebenden.

Die Autorin und Übersetzerin Anne Weber hat den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis 2024 erhalten. Alle fünf Jahre vergibt der Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) den mit 35.000 Euro dotierten Literaturpreis zusammen mit Burg Hülshoff – Center for Literature und der Literaturkommission für Westfalen. Anne Weber wurde 1964 in Offenbach am Main geboren und lebt seit 1983 als freie Autorin und literarische Übersetzerin in Paris. Sie hat sowohl aus dem Deutschen ins Französische übersetzt als auch umgekehrt. Ihre eigenen Bücher verfasst sie in deutscher wie auch in französischer Sprache. Ihre Werke wurden vielfach ausgezeichnet. Für ihr Buch „Annette, ein Heldinnenepos“ erhielt Anne Weber den Deutschen Buchpreis 2020. 

Hintergrund:
Der LWL vergibt in regelmäßigen Abständen renommierte Auszeichnungspreise in den Bereichen Literatur, Bildende Kunst, Neue Musik und landeskundliche Forschung. Im Jahr 2022 erfolgte eine Neuausrichtung der jährlichen Preisverleihungen und die Einführung eines neuen Crossover- sowie Innovationspreises. Im Rahmen von Folgeveranstaltungen in der Region geben die jeweiligen Preisträger:innen mit hochkarätigen Kulturereignissen künstlerische Impulse in und für Westfalen-Lippe. 

Der Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis (LWL-Literaturpreis) wird seit 1953 verliehen. Der mit 35.000 Euro dotierte Preis wird von einer Fachjury im fünfjährigen Turnus an eine Persönlichkeit verliehen, die sich durch besonders herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Literatur hervorgetan hat. Der Bezug zur Namensgeberin des Preises, der Literatin Annette von Droste-Hülshoff, ist ein Alleinstellungsmerkmal der Auszeichnung. Die aktuelle Vergabe wird in Kooperation mit dem Center for Literature auf Burg Hülshoff durchgeführt. Burg Hülshoff – der authentische Lebens- und Schaffensort der Droste – ist dabei auch Ausgangspunkt für Folgeveranstaltungen in der Region. 

Bis 2022 war der Preis mit 12.800 Euro dotiert und wurde an Autor:innen mit westfälisch-lippischen Wurzeln oder Tätigkeitsschwerpunkten in Westfalen-Lippe vergeben. Zu den bisherigen Preisträger:innen zählen z.B. Ernst Meister und Cornelia Funke. 

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