Foto:s Zuza Badziong
Nicht viele Münsteraner Veranstaltungen blicken auf eine so lange Geschichte zurück wie die Grünflächenunterhaltung. Sie ist wichtiger Teil der Lebensart der Stadt, sie schafft Raum für ein kulturelles, botanisches und soziales Experiment. Denn alle Besucher und Musiker verwandeln die Promenade an zwei Tagen in eine real existierende Utopie. Inzwischen stehen an jedem Promenadenübergang Fahrzeuge von einem Sicherheitsdienst, damit kein Auto in die Menge rast. Seit 2024 gibt es mobile Ordner und Sanitätstrupps. Ein beträchtlicher Kostenfaktor, bei dem die Stadt Münster allmählich an ihre Grenzen kommt.
Deshalb ein Aufruf an alle Liebhaber dieses beglückenden Events: Mit Ihrer Spende können wir auch nächstes Jahr wieder zwei friedvolle Tage voller Musik auf der Promenade erleben.
VISION – Verein zur Förderung der populären Kultur Münster e. V.
Stichwort: Grünflächen Taler
Sparkasse Münsterland Ost
IBAN: DE48 4005 0150 0034 5460 36
BIC: WELADED1MST
Infos zur Entstehung und zur Bedeutung der Grünflächenunterhaltung:
Nur wenige Münsteraner Veranstaltungen können auf eine so lange Geschichte zurückblicken wie die Grünflächenunterhaltung. Trotzdem wird sie einfach nicht älter. Genau so wenig wie die Bäume auf der Promenade. Kein Wunder, erhalten sie doch Jahr für Jahr musikalische Streicheleinheiten und Liebesbekundungen.
Der Auslöser der Grünflächenunterhaltungs-Idee ist weit entfernt von einer Städte-Marketingaktion. Es war vielmehr die Reaktion auf den schweren Sturm Kyrill, der im Januar 2007 mit Windgeschwindigkeiten bis zu 225 km/h über Deutschland hinwegfegte und auch große Teile der Promenade lahmlegte. Ausgerechnet die Promenade, das Wohnzimmer Münsters, das Erholungsgebiet direkt vor der Haustür, Fahrradautobahn, Garant für glückliche Stunden, ausgerechnet dieser Ort im wahrsten Sinne des Wortes am Boden liegend, hingestreckt, ein echtes Trauerspiel. Alle waren geschockt von der Zerstörung.
Damals gab es noch das Amt für Grünflächenunterhaltung. Dieses Wortungetüm aus dem Verwaltungsdeutsch ergab für mich plötzlich neuen Sinn: das ist genau das, was wir jetzt tun müssen - die Grünflächen unterhalten, damit sie sich regenerieren können! Denn Pflanzen verstehen diese Art von Schwingung. Dieses Wissen wird sogar im Weinbau eingesetzt.
Die Verwaltung zeigte sich bereit, sich zumindest ein Mal auf die Idee eines verrückten Künstlers, Thomas Nufer, einzulassen, der darauf drängte, Musik für Bäume zu spielen, um sie wieder aufzurichten. Die Menschen kamen später etwas dazu. Und wurden dann kontinuierlich mehr. Im Durchschnitt sind es jährlich weit über 10.000! Und die Behauptung, dass Pflanzen ein Organ haben, das auf emotionale Zuwendung reagiert, hat sich bestätigt. Tatsächlich verhalf die Musik der zerstörten Natur sich wieder zu erholen und ihr Wachstum anzuregen. Die Promenade steht wieder in voller Pracht!

Nun gehts ins achtzehnte Jahr. Die GFU ist nicht nur ein wichtiger Teil Münsteraner Lebensart sondern hat sich zu einem der populärsten Freilufthappenings NRWs gemausert. Selbst das Stadtmuseum liess sie in Lego-Form nachbauen, Hotels bieten Übernachtungspakete an. MünsterMarketing wirbt damit auf der ITB in Berlin. Denn die GFU schafft Raum für ein kulturelles, botanisches, soziales und lokales Experiment. Alle Akteur:innen, die an diesem Experiment beteiligt sind, verwandeln die Promenade für zwei Tage in eine real existierende Utopie.
Durchschnittlich treten 160 Chöre und Solisten auf, Banda-Musiker, Reggae- Soul-, Indie-und Popinterpreten, Englischhörner, irische Volksmusiker, Seniorenorchester, Klarinettenensembles, westafrikanische Trommler, bayerische Blasmusiker, verteilt auf 4 km - vom Kanonengraben bis zum Ex-Finanzamt - die wohl größte Bühne der Welt. Es gibt Gruppen, die von weit her anreisen. Immer wieder treten Musiker*innen aus Holland, aus Frankreich, aus Polen auf - selbst ein australischer Liedermacher hat es 2018 auf die Promenade geschafft. Im letzten Jahr gab es einen bewegenden dreistündigen live-stream von klassischen Chören aus Winnyzja, der ukrainischen Partnerstadt Münsters.

Die ursprüngliche Intension Thomas Nufers hat sich nie verändert. Musik von Menschen für Pflanzen - ohne Bühnen, ohne Kabel, ohne Bier und Currywurst, ohne Konsum und Abfall. Wenn die Musiker und Besucher die Promenade nach drei Stunden verlassen, benötigt man keine einzige Kehrmaschine - als wäre nichts passiert. Und niemand bezahlt Eintritt. Das führt dazu, dass man bei der Grünflächenunterhaltung viele Menschen, die mit Kultur oder Integration nur wenig am Hut haben, mit ins Boot holen kann - jedes Alter, jede Gesellschaftsschicht. Alle sind willkommen. Zufälliges und Gewolltes treffen da zusammen.











