Foto: Allwetterzoo Münster
Der Allwetterzoo Münster ist auch weiterhin ein beliebter Standort für den Weißstorch. In diesem Jahr ließen sich 60 Paare auf dem Zoogelände nieder – sieben mehr als im Vorjahr. Insgesamt 50 von ihnen zogen erfolgreich Nachwuchs groß, so dass am Ende der Brutsaison 91 Jungstörche flügge wurden. Das entspricht einem Durchschnitt von etwa 1,5 Jungtieren pro Paar. Entsprechend rege ist derzeit der Flugverkehr über dem Zoogelände.
„Angesichts der langen Trockenperiode im Frühjahr ist dies ein überraschend gutes Ergebnis und bestätigt den Trend der vergangenen Jahre“, sagt Michael Tillmann, ausgewiesener Experte für Weißstörche und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorch NRW. „Die Kolonie im Allwetterzoo ist nach der Kolonie im Naturzoo Rheine die zweitgrößte in NRW und ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen.
Weißstörche im Allwetterzoo sollen Wildtiere bleiben
Anders als in Rheine verzichtet der Allwetterzoo aber seit 2015 auf eine Fütterung der Störche. Die Tiere müssen sich seither selbst versorgen und fliegen dazu häufig weit raus, um auf Äckern und Wiesen nach Großinsekten, Mäusen und Maulwürfen zu suchen. Für Dr. Philipp Wagner, Kurator für Artenschutz und Forschung im Allwetterzoo, war dieser Schritt konsequent: „Die Fütterung einzustellen war sinnvoll und notwendig, um eine wirklich natürliche Population zu erhalten und sie auf einem Niveau zu haben, das die Lebensräume der Umgebung nicht übernutzt. Trotzdem gibt es aber auch immer Fälle, in denen wir kurz eingreifen, zum Beispiel wenn sich gerade flügge gewordene Jungtiere zwischen die Besucher verirren. Die kommen dann für wenige Tage in die Quarantäne, werden nochmal gefüttert und dort ausgewildert, wo sie in Ruhe abfliegen können.“
Für Michael Tillmann spiegelt die Entwicklung der Storchenkolonie im Zoo auch den Trend in ganz NRW wieder. „Wir haben seit etlichen Jahren eine Steigerung von rund 10 %: Und ein Ende ist noch nicht absehbar.“ Und ein weiterer Trend sei auch im Zoo sichtbar. „Zunehmend siedeln sich Störche auf Bäumen an. Im Zoo ist dies bei fast allen Neuansiedlungen der letzten Jahre der Fall, weswegen vielen Besuchern der Storchenreichtum gar nicht so stark auffällt.“ Wie stark die Population im Allwetterzoo noch anwachsen wird, lässt sich daher nicht sagen.
Weißstörche überwintern teilweise in Münster
Schon bald beginnt der Herbstzug. „Früher flogen fast alle Weißstörche aus dem Münsterland bis nach Westafrika“, erklärt Tillmann. „Heute überwintern viele in Spanien. Und dieser wesentlich kürzere Zugweg ist wohl auch der Hauptgrund für die Zunahme bei unseren Störchen.“ „Einige wenige überwintern aber sogar hier, zum Beispiel in den Rieselfeldern,“ ergänzt Wagner.
Bleibt das Wetter so mild wie im vergangenen Winter, könnten die ersten Rückkehrer schon im Januar wieder auf den Dächern des Allwetterzoo stehen – bereit für die nächste Brutsaison.











